Studie Gigantischer Eisverlust in Grönland

Stand: 21.08.2020 11:50 Uhr

Forscher melden einen traurigen Rekord: Grönland hat im Sommer 2019 besonders viel Eis verloren. Der Gesamtmassenverlust betrug 532 Milliarden Tonnen - deutlich mehr als im bisherigen Rekordjahr 2012.

Der grönländische Eisschild hat nach Angaben des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts (AWI) im vergangenen Jahr besonders viel Masse verloren.

Die Gesamtmassenverluste fielen mit 532 Milliarden Tonnen höher aus als im bisherigen Rekordjahr 2012 - damals waren es 464 Milliarden Tonnen. Das entspreche einem weltweiten Meeresspiegelanstieg von 1,5 Millimetern. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des AWI und des Potsdamer Geoforschungszentrums (GFZ). Die Wissenschaftler hatten dafür Satelliten- und Modelldaten ausgewertet. Die Studie erschien im Fachjournal "Communications Earth & Environment".

Der jährliche durchschnittliche Verlust habe seit 2003 bei 235 Milliarden Tonnen gelegen. Die Eisverluste überstiegen in 2019 den Zuwachs durch Schneefall um mehr als 80 Prozent, heißt es in der Studie weiter.

Massenverluste wieder stark angestiegen

"Nach zwei Jahren Atempause sind in 2019 die Massenverluste wieder stark angestiegen und übertreffen alle Jahresverluste seit 1948, wahrscheinlich sogar seit über 100 Jahren", sagte Ingo Sasgen vom Alfred-Wegener-Institut und Autor der Studie: "Immer häufiger haben wir stabile Hochdruckgebiete über dem Eisschild, die den Einstrom von wärmerer Luft aus den mittleren Breiten und damit das Schmelzen begünstigen."

Als Inlandeis - auch Eisschild genannt - wird eine flächenartige Vergletscherung bezeichnet, die das vorhandene Relief fast vollständig bedeckt. Das Inlandeis in der Antarktis und das in Grönland sind die größten Eisschilde der Erde. Die Massenbilanz eines Jahres ergibt sich aus der Differenz zwischen Eiszunahme durch Schneefall und Eisverlusten durch Schmelzen und Eisausstoß am Rand in den Ozean.

US-Forscher: Eisverlust nicht mehr zu stoppen

Erst Mitte August hatten Forscher von der Ohio State University berichtet, der Eisverlust von Grönland beschleunige sich und sei nicht mehr zu stoppen, selbst wenn die Erderwärmung sofort ende.

Darstellung: