Ukraine Endlich Impfstoff, noch immer keine Zentren

Stand: 24.02.2021 03:14 Uhr

Als eines der letzten Länder Europas kann die Ukraine mit Impfungen beginnen: 500.000 Dosen AstraZeneca sind eingetroffen. Es ist ein Tropfen auf dem heißen Stein - und viele verhalten sich weiterhin sorglos.

Von Stephan Laack, ARD-Studio Moskau

Endlich: Der Impfstoff ist da! Der ukrainische Gesundheitsminister Maxim Stepanow verkündete die gute Nachricht auf Facebook. Eine halbe Million Dosen des Vakzins AstraZeneca seien am Dienstag per Flugzeug in der Ukraine eingetroffen. Nach der Zollamtlichen Abwicklung soll der Impfstoff umgehend in die ersten sieben Regionen ausgeliefert werden.

Erst am Montag war AstraZeneca in der Ukraine überhaupt zugelassen worden. Als eines der letzten Länder Europas kann die Ukraine nun mit Corona-Impfungen beginnen.

Die Ungeduld wurde zuletzt immer größer, nachdem der Impfstart immer wieder verschoben worden war. In der vergangenen Woche wetterte eine Moderatorin des ukrainischen TV-Senders 5. Kanal: "Wann beginnt endlich eine tatsächliche und nicht fingierte Impfung in der Ukraine?"

Ermittlungen gegen Gesundheitsminister Stepanow

Die Infektionszahlen in der Ukraine steigen in diesem Monat wieder deutlich. Fast 4200 Fälle wurden zuletzt gezählt. Im Januar waren die meisten Corona-Beschränkungen aufgehoben worden. Präsident Wolodymyr Selenskij versuchte Druck aus dem Kessel zu nehmen.

"Es ist einer der besten Impfstoffe überhaupt", sagte er über AstraZeneca. "Ich kann nicht exakt sagen, wann er kommt. Da möchte ich lieber abwarten, bis er da ist. Aber das Vakzin ist vom Hersteller schon auf dem Weg zu uns."

Jetzt ist der Impfstoff da. In der Kritik steht weiterhin der ukrainische Gesundheitsminister Stepanow, der durch seine undurchsichtige Verhandlungsstrategie verhindert haben soll, dass rechtzeitig Vorverträge mit verschiedenen Herstellern abgeschlossen werden konnten.

Stepanow wiederum beteuert, es sei alles transparent und korrekt gelaufen. Allerdings wurden Ermittlungen gegen ihn eingeleitet.

Der ukrainische Chefsanitätsarzt Viktor Ljaschko bei einer Pressekonferenz. | Bildquelle: AFP
galerie

Der ukrainische Chefsanitätsarzt Viktor Ljaschko bei einer Pressekonferenz.

Mobile Impfteams statt Impfzentren

500.000 Dosen sind auch erstmal nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Wann weitere Lieferungen - auch anderer Hersteller - eintreffen, ist unklar. Auch das Vakzin von Pfizer/BioNTech soll irgendwann geliefert werden.

Fest steht nur: Sputnik V kommt definitiv nicht. Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba hält Berichte über die hohe Wirksamkeit des russischen Impfstoffes nicht für glaubwürdig: "Ich möchte klarstellen, dass die Propagandafähigkeiten von Sputnik V die tatsächlichen Fähigkeiten und die Wirksamkeit bei weitem übertreffen", sagte er.

Die Bevölkerung muss wohl noch lange darauf warten, sich impfen lassen zu können. Denn jetzt sei erst einmal medizinisches Personal an der Reihe, kündigte der Chef-Sanitätsarzt der Ukraine, Viktor Ljashko. Mobile Teams sollen die Impfungen vornehmen, Impfzentren kommen erst später zum Einsatz.

 Mehr als die Hälfte hält Covid-19 für ungefährlich

Doch im Westen des Landes, zum Beispiel in der Region Iwano-Frankiwsk mit den beliebten Urlaubsgebieten in den Karpaten, steigen die Corona-Infektionen so stark an, so dass dort jetzt ein regionaler Lockdown wieder eingeführt wurde.

Für Maria, die in der Skiregion Bukovel lebt, ist das kein Wunder. Fast niemand habe sich dort an irgendwelche Regeln gehalten, erzählt sie: "Die Leute haben diese Krankheit nicht ernst genommen und keine Schutzmasken getragen. Sie haben sich viel an den Feiertagen mit ihren Verwandten getroffen." Die Wiederöffnung Bukovels für Urlaubsgäste habe ihr Übriges getan.

Mit dieser Beobachtung liegt sie nicht daneben: Knapp über die Hälfte der Ukrainer hält laut Umfragen Covid-19 für nicht gefährlich. Ein Drittel lehnt es ab, sich impfen zu lassen.

Schlingerkurs - Corona in der Ukraine
Stephan Laack, WDR
23.02.2021 17:54 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 24. Februar 2021 um 10:36 Uhr.

Korrespondent

Stephan Laack Logo WDR

Stephan Laack, WDR

Darstellung: