Kampf gegen Virus-Mutation Ausreise aus Tirol nur noch mit Test

Stand: 09.02.2021 17:10 Uhr

Im Kampf gegen die südafrikanische Virus-Variante verschärft Österreich die Maßnahmen für fast ganz Tirol: Ab Freitag dürfen Erwachsene nur noch mit einem negativen Test ausreisen - sonst drohen bis zu 1450 Euro Strafe.

Im Kampf gegen eine Ausbreitung der erstmals in Südafrika entdeckten Virus-Mutation dürfen Menschen das österreichische Bundesland Tirol vorübergehend nur noch mit negativem Corona-Test verlassen. Die Maßnahme gelte von Freitag an für zunächst zehn Tage, sagte Kanzler Sebastian Kurz.

Ausgenommen sei Osttirol, auch für Kinder gelte die Vorschrift nicht. Das Testergebnis darf nicht älter als 48 Stunden sein. "Das wird einen massiven Effekt haben", sagte Kurz. Bund und Land hätten sich gemeinsam auf die Maßnahme verständigt.

Der Ausbruch der südafrikanischen Variante in Tirol sei derzeit der größte bekannte derartige Fall in der EU, so Kurz weiter. Wenn sich so eine Mutation schnell und stark ausbreite, werde das erneut viele Menschenleben kosten. "Und der Weg zur Normalität wird sich noch einmal um Monate verzögern." Das Problem sei, dass der Impfstoff von AstraZeneca möglicherweise gegen die Mutation nicht so wirksam sei. "Je stärker, je schneller, je entschlossener man hier reagiert, desto besser", sagte Kurz.

1450 Euro Strafe drohen

Die in Südafrika kursierende Virus-Variante B.1.351 wurde Ende vergangenen Jahres entdeckt und kommt mittlerweile auch in vielen anderen Ländern vor. Sie gilt ebenso wie etwa die in Großbritannien entdeckte Variante des Virus als besonders ansteckend. Die Mutation ist nach Angaben des Wiener Gesundheitsministeriums in Tirol bisher in rund 300 Fällen nachgewiesen worden. Die Zahl der aktiven Fälle betrage 129. Das Land ging bisher von geringeren Zahlen aus. 

Die Testpflicht bei Verlassen des Bundeslandes werde nun engmaschig kontrolliert, kündigte Innenminister Karl Nehammer an. Dies gelte für die Bundes-, die Landesstraßen, die Flughäfen und die Bahnstrecken. "Sich nicht an die Testpflicht zu halten, bedeutet auch, dass man mit Konsequenzen rechnen muss", so der Minister. Es drohten bis zu 1450 Euro Strafe.

Machtprobe zwischen Bund und Land

Das Vorgehen in Tirol hatte sich in den vergangenen Tagen zu einer Machtprobe zwischen dem Bund und dem Land entwickelt. Das Bundesland wehrte sich teils vehement gegen eine Extrabehandlung in Österreich. So hatte sich eine Allianz aus Politik und Wirtschaft gegen zusätzliche Schritte ausgesprochen.

Am Montag sprach die Regierung in Wien bereits eine Reisewarnung für das bei Deutschen beliebte Bundesland aus. Diese hat jedoch nur Appell-Charakter. Die Reisewarnung sei ein "Rülpser aus Wien", kommentierte etwa das ÖVP-Landesvorstandsmitglied Franz Hörl im ORF. Viel entscheidender seien Reiseempfehlungen anderer Länder. "Die Deutschen und die Holländer sind ja viel wichtiger für uns", sagte Hörl.

Sorge in Bayern

Zum Wochenauftakt waren in Österreich nach sechs Wochen Lockdown alle Geschäfte und Friseure, die Schulen und Museen wieder geöffnet worden. Die Zahl der täglichen Neuinfektionen lag zuletzt bei etwa 1200 bei rund neun Millionen Einwohnern. Die Sieben-Tage-Inzidenz beträgt in Österreich aktuell 104.

Die bisherigen Maßnahmen waren in Deutschland und vor allem im benachbarten Bayern mit Sorge verfolgt worden. Grenzschließungen seien als letzte Möglichkeit nicht auszuschließen, hatte Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek am Montag angekündigt. Reisende an den Übergängen zwischen Österreich und Deutschland werden derzeit streng überprüft.

Österreich: Ein- und Ausreise aus Tirol nur noch mit Negativ-Test
Andrea Beer, ARD Wien
09.02.2021 18:37 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 09. Februar 2021 um 16:50 Uhr in den Nachrichten.

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