Corona-Pandemie in Spanien Droht nach Ostern die vierte Welle?

Stand: 22.03.2021 13:58 Uhr

In manchen Regionen Spaniens steigen die Zahlen wieder. Hunderte illegale Partys musste die Polizei auflösen, selbst ausländische Touristen kommen zum Feiern. Experten warnen vor einer vierten Welle.

Von Reinhard Spiegelhauer, ARD-Studio Madrid

Gerade erst ist die dritte Welle durch, schon feiern manche, als gäbe es kein Morgen. Jedes Wochenende die gleichen Bilder in den Fernsehnachrichten: junge Leute, die sich zu illegalen Partys treffen, ohne Maske, ohne Abstand - dafür mit viel Alkohol. 

Es sind beunruhigende, alarmierende und auch empörende Bilder, findet nicht nur eine Fernsehmoderatorin. Die illegalen Feiern steigen in Kneipen, Wohnungen und auf der Straße. Alleine in Madrid hat die Polizei am Wochenende mehr als 300 solcher Partys aufgelöst.

Auch ausländische Touristen kommen

Auch ausländische Touristen kommen zurzeit gezielt nach Madrid oder Barcelona, um zu feiern - vor allem aus Italien und Frankreich, wo ein strenger Lockdown verhängt ist. Ausgehen, chillen, Spaß haben: Das ist in Paris im Moment nicht drin, in Madrid eben schon. Und dafür müsste man noch nicht mal auf eine illegale Party: Restaurants und Kneipen in Madrid sind bis 22 Uhr offen. In Barcelona allerdings nur bis fünf Uhr nachmittags - dann müsse man halt auf der Straße feiern, sagt ein Passant.

Erlaubt sind eigentlich nur Treffen von maximal sechs Personen aus bis zu zwei Haushalten. In Barcelonas Altstadtviertel Born löste die Polizei am Wochenende einen Botellon, eine Freiluftparty mit Hunderten Teilnehmern auf. 

Warnung vor Rückschritt

Ob es die illegalen Partys sind, andere Nachlässigkeiten oder die hochansteckende britische Virusmutante, die inzwischen auch in Spanien großflächig unterwegs ist: Die Inzidenz steigt in einigen Gegenden schon wieder. Während sie auf den Balearen unter 20 liegt, kratzen andere Regionen wieder an der 100 - und Ostern steht vor der Tür.

Epidemiologen wie Carles Rodrigo von der Uniklinik Barcelona warnen, dass die Infektionszahlen in oder nach der Karwoche in die Höhe schießen könnten. Ein gewaltiger Rückschritt drohe, sagt der Mediziner. Schon die heftige dritte Welle zu Anfang des Jahres hatte sich nach Feiertagen entwickelt, von Weihnachten über Neujahr bis zum Dreikönigstag, der in Spanien noch zum Weihnachtsfest gehört.

Beschränkungen über Ostern

Über Ostern gelten jetzt relativ strenge Mobilitätseinschränkungen: Urlaubsreisen über die Grenzen der eigenen Autonomen Region hinaus - also quasi des Bundeslandes - sind verboten. Die sowieso schon schwer gebeutelte Tourismusbranche stöhnt. Viele Spanierinnen und Spanier sind genervt, denn die Karwoche gehört normalerweise zu den Hauptreisezeiten. Dass Touristen aus der EU quasi nach Belieben in Spanien Urlaub machen dürfen, sie selber aber nicht, das finden viele ungerecht.

Trotzdem: Die Zentralregierung hat sich durchgesetzt: Die Reisebeschränkungen für Spanierinnen und Spanier über Ostern bleiben in Kraft. Wirken können die Regeln allerdings nur, wenn sich die Menschen auch daran halten, sagt der Epidemiologe Juan Jose Badiola. Die Fotos, Videos und Berichte über massenweise illegale Feiern lassen aber zumindest für die großen Städte nichts Gutes ahnen.

 

Spanien: Droht nach Ostern die vierte Welle?
Reinhard Spiegelhauer, ARD Madrid
22.03.2021 13:10 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 22. März 2021 um 13:05 Uhr.

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