Covid-19 Wenn Kinder nicht mehr gesund werden

Stand: 08.04.2021 11:40 Uhr

Erst neun Jahre alt und schon seit einem Jahr krank: Julia aus Schweden leidet an Langzeit-Covid. Noch wissen die Ärztinnen und Ärzte wenig über dieses Phänomen.

Von Sofie Donges, ARD-Studio Stockholm

Julia und ihre Mutter Malin gehen im Wald hinter ihrem Haus spazieren. Sie drehen eine kleine Runde, die Neunjährige ist nicht belastbar. Seit einem Jahr leidet Julia an den Folgen ihrer Corona-Infektion. Körperliche Anstrengung ist für die Grundschülerin immer noch eine Herausforderung, sie fühlt sich müde. Husten, Kopf-, Hals- und Bauchschmerzen kommen immer wieder in Schüben.

Die ganze Familie infizierte sich im März 2020 mit dem Coronavirus. Während die Eltern ein paar Tage im Bett bleiben mussten, hatten beide Kinder nur leichte Verläufe. Doch Julia wurde seitdem nicht mehr richtig gesund, und auch ihrem elfjährigem Bruder ging es nach einigen Wochen immer schlechter. Im Spätherbst konnten beide Kinder nicht zur Schule, erzählt Mutter Malin, die nicht möchte, dass ihr Nachname genannt wird.

Ärzte standen vor einem Rätsel

Über Monate suchte die Familie Rat bei verschiedenen Ärztinnen und Ärzten. Dass die vielfältigen Symptome der Kinder Folge der Corona-Erkrankung sein könnten, ahnte die Familie schnell. Doch die Ärzte kannten dieses Phänomen nicht.

Erst im Dezember bekam die Familie Hilfe, als die Langzeit-Covid-Abteilung im Astrid-Lindgren-Kinderkrankenhaus in Stockholm öffnete. Diese Station war eine der ersten weltweit für Kinder, die wie Julia und ihr Bruder nach einer Infektion nicht mehr richtig gesund werden. Die Abteilung ist multidisziplinär aufgestellt, erläutert die leitende Ärztin Malin Ryd Rinder. Kinderärzte, Physiotherapeuten und Kinderpsychologinnen beurteilen die jungen Patienten jeweils aus ihrer Fachrichtung.  

Derzeit nur Behandlung der Symptome 

Im Moment werde symptomatisch behandelt, beispielsweise bekommen Kinder mit Bauchschmerzen Medikamente gegen Übelkeit, berichtet die Ärztin. Noch gebe es zu speziellen Therapien keine größeren Studien, man stehe völlig am Anfang. Und wie viele insgesamt betroffen sind, ist auch unklar.

Im Astrid Lindgren-Kinderkrankenhaus werden derzeit 80 Kinder und Jugendliche behandelt, in ganz Stockholm sollen es laut Medienberichten mehr als 200 sein. Von offizieller Seite gibt es keine Bestätigung für diese Zahlen. Und auch die Frage, welche Kinder ein erhöhtes Risiko für Langzeit-Covid haben könnten, kann Ärztin Ryd Rinder nicht beantworten. Sie behandele eine sehr gemischte Gruppe: Kinder mit und ohne Vorerkrankungen in allen Altersklassen. Betroffen seien eher Jugendliche als Kinder und mehr Mädchen, so viel könne man zumindest sagen.

Geöffnete Schulen in Schweden kein Problem

Schweden hat seit Beginn der Pandemie die Schulen bis einschließlich Klasse neun fast nie geschlossen. Es gibt weder eine Maskenpflicht, noch werden Schülerinnen und Schüler regelmäßig getestet. Man könne daraus aber nicht schließen, dass es hier mehr Kinder mit Langzeit-Covid gebe als woanders, glaubt die Ärztin. Berichte darüber kenne sie aus vielen Ländern - und die Schulen in Schweden zu schließen, sei keine Alternative. Es seien nur wenige Kinder von ernsthaften Komplikationen betroffen. Durch Schulschließungen hätte es deutlich größere Probleme anderer Art gegeben, so Ryd Rinder.

Langer Weg zurück ins normale Leben 

Die neunjährige Julia geht inzwischen wieder zur Schule, zumindest halbtags. Viel mehr schafft sie nicht, an Hobbys oder Verabredungen ist nicht zu denken - dabei fehlt ihr das sehr, sagt sie. Ihre Mutter Malin ist optimistisch, dass es ihren Kindern bald deutlich besser geht. Wie lang das aber noch dauern kann, weiß sie nicht. Diese Frage können die Ärzte und Ärztinnen nicht beantworten. Sie sehe, dass es eine positive Entwicklung gibt und hofft, dass Julia und ihr Bruder im Laufe des Jahres komplett genesen. Man brauche viel Geduld. Alles langsam angehen, kleine Schritte machen, den Körper nicht überfordern.  

Langzeit-Covid bei Kindern
Sofie Donges, ARD Stockholm
08.04.2021 08:39 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 08. April 2021 um 08:37 Uhr.

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