Schulkinder in der Pandemie OECD warnt vor ungleichen Chancen

Stand: 14.04.2021 18:18 Uhr

Anderthalb Milliarden Kinder weltweit konnten während der Pandemie zeitweise nicht zur Schule. Die OECD warnt vor wachsender Bildungsungleichheit - und kritisiert auch das deutsche Bildungssystem.

Kaum eine Gruppe hat im vergangenen Jahr so stark unter politischen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie gelitten wie Schulkinder. Weltweit waren rund eineinhalb Milliarden Kinder zumindest zeitweise vom Schulschließungen betroffen, wie aus einer neuen Umfrage der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervorgeht.

Das könne langfristig Auswirkungen auf ihre Lernergebnisse haben, erklärte OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher bei der Vorstellung der Studie.

Demnach waren die Schulen in Ländern mit schlechteren Bildungssystemen an besonders vielen Tagen geschlossen. Mangels digitaler Technik und Unterstützung durch Eltern konnten dort fehlende Stunden zudem schlechter ausgeglichen werden. Langfristig könne das die Bildungsungleichheiten verstärken, warnte die OECD in der Studie.

Wie gut die Länder mit der Situation klar gekommen sind, hänge meist mit dem Gestaltungsspielraum der Lehrer zusammen. "Bildungssysteme, in denen die Lehrkräfte gewohnt sind, eine innovative Lernumgebung zu schaffen, sind auch in schwierigen Infektionslagen ganz gut und ohne lange Schulschließung durch diese Krise gekommen", so Schleicher.

Umstellung auf Digitalunterricht hat "sehr gehapert"

Wegen örtlich und regional begrenzter Schulschließungen zählte Deutschland laut OECD-Umfrage zu der kleineren Gruppe der Länder, die ohne flächendeckende Schließungen auskamen. Allerdings sei Deutschland im Bereich Digitalisierung wie die meisten Länder "kalt erwischt" worden. Bei der plötzlichen Umstellung auf Online-Unterricht habe es etwa in Deutschland mangels digitaler Voraussetzungen "sehr gehapert".

Staaten wie Estland oder Tschechien hätten einen enormen Vorteil gehabt, da sie schon lange vor der Pandemie die digitale Infrastruktur ausgebaut hätten, so Schleicher. In Deutschland habe man zehn Jahre zu spät angefangen.

In Ländern wie Spanien oder Portugal seien auch andere Medien wie Fernsehen oder Radio für den Distanzunterricht genutzt worden. "Die Vielfältigkeit der digitalen Medien war da ein entscheidender Erfolgsfaktor - das ist vielleicht etwas, wovon Deutschland lernen kann", sagte Schleicher.

Staaten unterstützen Kauf von Endgeräten

In rund 80 Prozent der 33 untersuchten Länder unterstützt die Regierung laut OECD-Umfrage etwa den Kauf von technischen Endgeräten für Schüler und Lehrer. Auch in die Infrastruktur ländlicher Gebiete investierten die meisten Staaten (80 Prozent).

Eine wichtige Lektion aus der Corona-Pandemie sei, dass digitale Alternativen für jüngere Schüler kaum funktionierten. "Der Präsenzunterricht ist gerade für jüngere Schüler durch nichts zu ersetzen." Das hätten die meisten Länder auch verstanden, weshalb die Grundschulen oft offen waren, selbst wenn die weiterführenden Schulen geschlossen hatten.

Weniger Lernrückstände seien insgesamt bei denjenigen Kindern entstanden, die eigenverantwortlich lernen und sich zu Hause auf ein unterstützendes Umfeld verlassen können. "Die Pandemie hat gezeigt, dass selbständiges Lernen von ungemeiner Bedeutung ist", sagte der OECD-Bildungsdirektor.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. April 2021 um 17:00 Uhr.

Darstellung: