NASA-Sonde vor Landung Mit "Beharrlichkeit" auf den Mars

Stand: 18.02.2021 08:49 Uhr

Ihr Name ist Programm: Die NASA-Sonde "Perseverance" - Beharrlichkeit - soll heute Abend auf dem Mars landen. Erkunden, untersuchen, sammeln - die Aufgaben der Sonde sind komplex.

Von Ute Spangenberger, SWR

Die Vereinigten Arabischen Emirate und China haben vorgelegt. Ihre Sonden sind bereits vor Tagen in die Umlaufbahn des Mars eingeschwenkt. Jetzt soll die NASA-Sonde "Perseverance" (deutsch: Beharrlichkeit) folgen. Alle drei waren im Juli vergangenen Jahres von der Erde aus gestartet.

Bis der NASA-Rover heute Abend sicher auf dem roten Planeten aufsetzt, heißt es für die Wissenschaftler Luft anhalten. In der Vergangenheit sind immer wieder Mars-Landungen gescheitert, die Bedingungen sind kompliziert.

Zum einen herrscht auf dem Mars ein geringer atmosphärischer Druck. Das birgt die Gefahr, dass der Rover auf der Oberfläche zerschellt, wenn es nicht gelingt, ihn stark genug abzubremsen.

Außerdem können die NASA-Wissenschaftler auf der Erde bei Problemen nicht eingreifen, da sie wegen der großen Entfernung keine Daten in Echtzeit übertragen bekommen.

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Der Countdown läuft: Nach rund sechs Monaten Flugzeit soll der US-Rover "Perseverance" am Abend auf dem Mars landen. Sie können die Landung der Sonde bei uns im Livestream verfolgen - ab 21:45 Uhr.

Die alte Frage nach Leben auf dem Mars

Gab es Leben auf dem Mars? Das ist eine der Fragen, auf die sich die Wissenschaftler Antworten erhoffen. Darum landet der Rover an einem ganz speziellen Ort, in einem ausgetrockneten Kratersee mit ausgeprägtem Flussdelta, dem sogenannten Jezero-Krater. Dort wird er Gestein untersuchen und einsammeln.

Thomas Zurbuchen, der Wissenschaftsdirektor der NASA, sagt dazu im Interview mit tagesschau.de:

"Wir wissen: Vor drei Milliarden Jahren hatten die drei Planeten Erde, Mars und Venus viel mehr Ähnlichkeit miteinander als heute. Zum Beispiel hatte der Mars wie die Erde ein Meer. 70 Prozent der Erdoberfläche besteht ja aus Meer. Auf dem Mars war es weniger, aber immerhin fast 50 Prozent. Die Frage ist: Was passierte auf dem Mars?"

Ein Rover mit Hubschrauber

Der circa 1000 Kilogramm schwere NASA-Rover hat die Größe eines Kleinwagens und gilt als bislang technisch anspruchsvollster Mars-Roboter. Er ist vollgepackt mit wissenschaftlichen Instrumenten, Kameras, einem Laser, Mikrofonen und einem kleinen Hubschrauber. Erstmals in der Geschichte der Raumfahrt soll ein Fluggerät über die Oberfläche des roten Planeten fliegen.

Außerdem führt der neue Mars-Rover einen Apparat bei sich, der Kohlendioxid aus der Atmosphäre in Sauerstoff umwandeln kann, nötig für Raketenantriebe und Atemsysteme. Damit könnte diese Mission wichtige Erkenntnisse für zukünftige bemannte Expeditionen zum Mars liefern.

Gerhard Kminek, bei der ESA zuständig für Planetensicherheit, erklärt:

"Das ist eine Sache, die schon seit Jahrzehnten diskutiert wird. Wie kann man Ressourcen verwenden, die vor Ort sind? Jedes Kilogramm, das wir von der Erde mitbringen müssen, hat einen enormen Einfluss auf die Größe der Rakete, die wir brauchen, um die Missionen zu starten. Momentan sind wir bereits bei über einer Tonne, die man auf die Mars-Oberfläche bringen kann, aber das wäre bei weitem nicht ausreichend für eine bemannte Mission."

Was gesammelt wird, soll zur Erde kommen

Erstmals in der Geschichte der Raumfahrt planen die Wissenschaftler der NASA und der Europäischen, Marsgestein mit Folgemissionen zurück zur Erde zu bringen. 2026 soll ein ESA-Rover zum roten Planeten starten. Seine Aufgabe: Er übernimmt die Proben von dem "Perseverance"-Rover. Anschließend bringt er das Gestein zu einer Rakete auf dem Mars.

Dann beginnt der spektakuläre Rücktransport zur Erde: Albert Haldemann, Chefingenieur bei der ESA und zuständig für die "sample return mission", gibt einen Einblick:

"Die Rakete, in deren Nase sich das fußballgroße Behältnis mit den Marsproben befindet, wird von der Marsoberfläche wieder in die Umlaufbahn gebracht. Dort wird die Kapsel ausgesetzt und es kommt zu einem Rendezvous im All."

Dazu werde extra ein ESA-Raumschiff, der "Earth Return Orbiter", zum Mars fliegen und die Kapsel treffen. Dann, so Haldemann weiter, "geht an dem Earth Return Orbiter eine Klappe auf und die Kapsel wird mit einem Korb eingefangen. Anschließend baut ein robotischer Arm die Kapsel mit den Proben in eine Wiedereintrittskapsel ein."

Helikopter, der mit "Perseverance" auf dem Mars landen soll. | Bildquelle: AFP
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Mit "Perseverance" landet ein Helikopter auf dem Mars, der über den Planeten fliegen und ihn fotografieren soll.

Schutz vor Marsorganismen

Anschließend macht sich der "Earth Return Orbiter" auf den Rückweg zur Erde. Allerdings wird er die Kapsel mit den Proben nur abwerfen und selbst nicht landen. "Er wird dann auf eine Umlaufbahn um die Sonne geleitet, um sicherzustellen, dass er für die nächsten 100 Jahre nicht in Erdnähe kommt", erklärt ESA-Experte Kminek.

Die Wissenschaftler wollen mit Vorsichtsmaßnahmen wie diesen verhindern, dass mögliche Marsorganismen ungeschützt auf die Erde gelangen könnten. Alle Wissenschaftler müssten sich bei der Mars-Mission ganz genau an internationale Richtlinien halten, betont Kminek:

"Einerseits müssen wir sicherstellen, dass wir nicht Leben von der Erde mitbringen. Wir wollen natürlich nicht Geld und Zeit investieren, fliegen zum Mars und finden dort dann irdisches Leben. Wir dürfen die Suche nach extraterrestrischem Leben nicht beeinträchtigen. Und bei dem, was wir zurückbringen, müssen wir sicherstellen, dass es keine Gefahr für die Erde darstellt."

Heute soll die NASA Marssonde landen
Arthur Landwehr, ARD Washington
18.02.2021 11:03 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 18. Februar 2021 um 07:38 Uhr.

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