Illegaler Welpenhandel Das brutale Geschäft mit dem Hundeblick

Stand: 07.03.2021 03:45 Uhr

Das Geschäft mit Hundewelpen boomt - vor allem in der Corona-Krise. Doch viele Tiere stammen aus illegalen Zuchtstationen in Bulgarien oder Serbien. Ein brutales Geschäft, das viele der Welpen oder ihrer Mütter nicht überleben.

Von Christian Limpert, ARD-Studio Wien

Sascha Pesic traut seinen Augen nicht: Drei kleine Hundewelpen taumeln ihm entgegen, schwach und völlig abgemagert. Pesic hat die Szene mit dem Handy vor wenigen Wochen gefilmt, auf einem Feldweg nahe der Stadt Nis in Serbien. Am Zaun einer Mülldeponie hat er die Welpen gefunden. Hätte er sie nicht gerettet, wären sie bald verhungert, erzählt Pesic. Er ist sicher: die Welpen stammen aus einer illegalen Hundezucht.

Weil sie nicht verkauft werden konnten, habe man sie auf der Mülldeponie entsorgt. Auch die Muttertiere leiden, sie würden als regelrechte "Gebärmaschinen" missbraucht, beschreibt er: "Den illegalen Züchtern ist es egal, wie es den Tieren geht, ihnen geht es um Verkaufen, um Profit." Er nimmt die Tiere bei sich auf, über 800 Hunde hat er in den letzten Jahren eingesammelt.

Sascha Pesic umarmt Hund | Bildquelle: Christian Limpert/Wien
galerie

Hundefreund Sascha Pesic hat Hunde aus illegalen Züchtereien bei sich aufgenommen.

Tierschutzbehörden sind überlastet

Ein paar Hundert Kilometer östlich in der bulgarischen Hauptstadt Sofia blickt Magdalena Penewa auf Videomaterial ihrer letzten "Undercover-Ermittlung". Die Chefin des Tierschutzvereins "Vier Pfoten Bulgarien" hat illegalen Züchtern in ihrem Land den Kampf angesagt. Als Kundin getarnt hat sie vor kurzem Welpen in einem Haus in Sofia aufgespürt.

Ein Video zeigt es deutlich: Nach einem kurzen Gespräch heben die illegalen Hundezüchter einen Welpen aus einem Karton - völlig erschöpft, vom Muttertier fehlt jede Spur. Für Penewa ist klar: Der Welpe stammt aus einer illegalen Zuchtstation. "Aus dem Keller haben wir viele Welpen bellen gehört", erinnert sie. "Aber am Ende können wir das nicht beweisen. Dazu müssten die Behörden das Haus offiziell durchsuchen. Sie müssten das jedes Mal tun, wenn es Hinweise auf so einen Fall gibt."

Doch die bulgarischen Behörden sind überlastet. Tausende Hundewelpen pro Tag bieten die dortigen Züchter an. Viele der Tiere gehen nach Deutschland, sagt Aktivistin Penewa, Kontaktpersonen verkaufen sie dort.

Tierschützerin Magdalena Penewa am Computer | Bildquelle: Christian Limpert/Wien
galerie

Tierschützerin Magdalena Penewa klagt, die Behörden kämen mit den Durchsuchungen der Züchterhöfe nicht hinterher.

Einschläferung am Tag nach dem Kauf

Welche Folgen das haben kann, hat Laura Köhler erlebt. Die 26-Jährige lebt in Norddeutschland. Vor knapp einem Jahr stieß sie auf eine Onlineanzeige für einen Hundewelpen -ein süßes Foto: Chico, für 600 Euro. Alles habe seriös gewirkt, sagt Köhler. Nach kurzem Email-Kontakt fand die Übergabe statt: "Das ging schnell. Wir haben das Geld auf den Tisch gelegt und sind gegangen, ohne dass wir Verträge mitbekommen haben", erinnert sie sich. "Wir haben am selben Tag schon gedacht: Das ist eigentlich nicht so gut. Warum haben wir keinen Vertrag bekommen - oder einen Impfpass?"

Welpe auf roter Decke | Bildquelle: Christian Limpert/Wien
galerie

Hundewelpe Chico sah so niedlich aus, dass Laura Köhler in kaufte. Tags darauf musste sie ihn einschläfern lassen.

Doch sie vertraute den Aussagen der Verkäuferin, der Hund sei vorschriftsmäßig geimpft worden. Aber Chico ist mit einem Virus infiziert, das oft bei Zuchthunden aus Osteuropa auftaucht. Einen Tag nach dem Kauf muss Chico eingeschläfert werden. Von der Verkäuferin fehlt jede Spur, nachforschen will Köhler nicht. "Angenommen, da steckt so etwas wie die Hundemafia dahinter... ich weiß nicht, ob man sich mit denen anlegen möchte", sagt sie.

Nur bei zugelassenen Züchtern kaufen

Penewa von der Tierschutzorganisation "Vier Pfoten Bulgarien" hofft auf ein neues EU-Gesetz, das ab April gelten soll. Dann müssten Online-Plattformen alle Händler verifizieren und nur registrierte Tiere dürften von ihren Haltern zum Verkauf angeboten werden. Das sei eine Chance, dem illegalen Welpenhandel den Riegel vorzuschieben.

Doch auch dafür brauche es mehr und strenge Kontrollen, sagt Penewa: Auch Identifikationsnummern ließen sich fälschen. Sie appelliert an das Verantwortungsbewusstsein aller Hundekäufer: Nur wer bei zugelassenen Züchtern kaufe, könne sicher sein, dass bei seinem Welpen alles in Ordnung ist.

Über dieses Thema berichtete der NDR in der Sendung Markt am 19. Oktober 2020 um 20:15 Uhr.

Darstellung: