Britisches Impfprogramm Noch mehr Tempo gegen Corona

Stand: 21.02.2021 15:09 Uhr

Großbritannien beschleunigt sein Impfprogramm. Bis Ende Juli soll jeder Erwachsene eine Corona-Impfung bekommen können. Krankenhausdaten zeigen Gesundheitsminister Hancock zufolge, dass die Übertragung mit der südafrikanischen Virusvariante zurückgeht.

In Großbritannien sollen alle Erwachsenen bis Ende Juli ihre erste Impfdosis gegen das Coronavirus erhalten können. Alle über 50-Jährigen sowie diejenigen mit Vorerkrankungen sollen dabei bereits bis Mitte April eine erste Impfung angeboten bekommen, wie die britische Regierung mitteilte. Damit wird der Zeitplan nochmals beschleunigt: Bisher waren als Zielmarken die Impfung aller über 50-Jährigen bis Mai und aller Erwachsenen bis September ausgegeben worden.

"Das wird uns helfen, die Meistgefährdeten schneller zu schützen und Beschränkungen lockern zu können", sagte Premierminister Boris Johnson. Bislang haben im Vereinigten Königreich mehr als 17 Millionen Menschen eine erste Impfung erhalten - jeder dritte Erwachsene. Doch trotz der vergleichsweise vielen Impfungen will die britische Regierung die bestehenden Beschränkungen nur nach und nach lockern. Johnson sagte, der Weg aus dem Lockdown solle "vorsichtig und phasenweise" erfolgen.

Vorsichtige Lockerungen im Land

Der Premierminister will seine Pläne für die ersten Lockerungen am Montag verkünden. Künftig sollen unter anderem einige private Treffen draußen und Einzelbesuche in Pflegeheimen wieder möglich sein. Auch die Rückkehr von Kindern in die Schulen gehört zur obersten Priorität der Regierung. Der britische Gesundheitsminister Matt Hancock verteidigte im Sender Sky News die vorsichtige Herangehensweise der Regierung. Es lägen immer noch fast 20.000 Covid-19-Patienten im Krankenhaus, sagte er.

Zudem werde diskutiert, ob Kinder geimpft werden sollten, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verringern. Derzeit liefen klinische Tests, "um zu wissen, ob Kinder geimpft werden sollen", sagte Hancock. Ein wissenschaftlicher Berater der Regierung, John Edmunds, sagte der BBC, solange nicht die ganze Bevölkerung einschließlich der Kinder geimpft sei, gebe es ein erhebliches Risiko, dass das Virus wieder auftrete.

Kampf gegen Virusvarianten

Hancock zeigte sich zudem zuversichtlich, dass das Land auch die Ausbrüche der südafrikanischen und brasilianischen Virusvarianten in den Griff bekommt. Seinen Angaben zufolge hatte das Vereinigte Königreich insgesamt rund 300 Fälle der ansteckenderen südafrikanischen Mutante registriert. Die meisten dieser Fälle seien jedoch über einen Monat alt, sagte Hancock der BBC. "Die neuesten Daten zeigen, dass es nur noch rund ein Dutzend neue gibt", so Hancock. "Also eine viel, viel kleinere Zahl." Das britische Impfprogramm habe die Virus-Übertragungen reduziert und den Druck auf die Krankenhäuser verringert, sagte Hancock.

Auch gebe es Hinweise darauf, "dass die Maßnahmen, die wir ergreifen, sowohl die verbesserte Kontaktverfolgung als auch strengere Maßnahmen an der Grenze, funktionieren", sagte Hancock dem Sender Sky News. Gleichzeitig warnte er: "Wenn eine dieser neuen Varianten nicht so gut auf den Impfstoff anspricht wie die anderen, dann ist dies ein sehr ernstes Risiko für das Impfprogramm."

Großbritannien nutzt die Vakzine von BioNTech/Pfizer und AstraZeneca. Die Infektionslage hatte sich in den vergangenen Wochen deutlich verbessert, die Kurve der registrierten Neuinfektionen sinkt kontinuierlich. Zuletzt zählte das Land in den vergangenen sieben Tagen 126 neue Fälle pro 100.000 Einwohner. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag damit mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland. Mit mehr als 120.000 Toten zählt Großbritannien zu den am schwersten von der Corona-Pandemie betroffenen Ländern weltweit.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. Januar 2021 um 06:22 Uhr in der Sendung "Informationen am Morgen".

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