Hilfe auf Corona-Station So läuft der Bundeswehr-Einsatz in Portugal

Stand: 17.02.2021 10:28 Uhr

Seit zwei Wochen hilft die Bundeswehr in Portugal bei der Behandlung von Corona-Patienten. Wie läuft der Einsatz? Gibt es Probleme? Und wie entwickeln sich die Infektionszahlen in Portugal?

Von Reinhard Spiegelhauer, ARD-Studio Madrid

Sieben Intensivpatienten betreut das deutsche Hilfsteam der Bundeswehr im Moment in Lissabon. Gearbeitet wird in einem Drei-Schicht-System. Wer gerade nicht im Einsatz ist, ist die meiste Zeit im Hotel, schließlich gelten in Portugal weiterhin strenge Ausgangsbeschränkungen.

Die Wertschätzung ist "ganz, ganz toll"

Trotzdem erfahren die Soldatinnen und Soldaten immer wieder Anerkennung, sagt Oberstarzt Jens-Peter Evers: "Die Leute sprechen uns direkt an, wenn sie uns sehen. Wenn sie an der Ampel neben uns halten müssen, hupen sie und zeigen den Daumen hoch. Das ist wirklich ganz, ganz toll, was wir für eine Wertschätzung von der Bevölkerung bekommen." 

Nachdem die Intensivstation im Hospital da Luz mit Material aus Deutschland aufgerüstet wurde, hat das Team vor eineinhalb Wochen die ersten Patienten aufgenommen, aktuell ist noch ein Bett frei. Noch konnte keiner der Kranken wieder auf eine normale Station zurück. Alle seien sehr schwer krank, sagt Evers.

Jens-Peter Evers, Mitglied eines Teams der Bundeswehr zur Unterstützung des Kampfes gegen die Corona-Pandemie in Portugal, während einer Pressekonferenz zu Beginn des Einsatzes. | Bildquelle: dpa
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Evers während einer Pressekonferenz zu Beginn des Einsatzes. Die Zusammenarbeit laufe gut, so seine Zwischenbilanz zwei Wochen später.

Wirkstoffmenge in Medikamenten oft anders

Der Oberstarzt lobt die Zusammenarbeit mit den portugiesischen Kollegen: nötige Laboruntersuchungen, Röntgen oder eine Computertomografie - das alles laufe reibungslos, auch weil die Klinik extra zwei Mitarbeiter abgestellt habe, die auch Deutsch sprechen. Die größten Probleme seien da schon ungewohnte Wirkstoffmengen in Medikamenten, wo die Dosierung angepasst werden müsse, oder die Frage, welche Kollegen was abzeichnen müssen - die deutschen oder die portugiesischen.

Größten Wert legt der Oberstarzt auf den Eigenschutz, den hätten die Soldatinnen und Soldaten auch vor dem Einsatz nochmals trainiert. "Wir haben es hier ja mit einer hochinfektiösen Mutation zu tun, da ist der Eigenschutz das A und O", so Evers. "Wir haben noch mal geübt, wie man die persönliche Schutzausrüstung nicht nur anzieht, sondern auch auszieht, wenn sie kontaminiert ist." 

Zahl der Neuinfektionen deutlich zurückgegangen

Die täglichen Neuinfektionen sind in Portugal seit ca. zwei Wochen deutlich zurückgegangen - der von der Regierung Mitte Januar verordnete Lockdown zeigt Wirkung - von über 10.000 auf nur noch 1500.

Erste zu Covid-Stationen umgewidmete Krankenhausbereiche könnten wieder in den Normalbetrieb gehen, sagt Intensivmediziner Joao Lopez Delgado. Aber die Zahl der Intensivpatienten werde in den nächsten zwei Wochen kaum zurückgehen.

"Da sind wir einfach Profis, das können wir"

Eine Einschätzung, die der deutsche Oberstarzt Dr. Evers teilt. Sein Team soll kommende Woche nach drei Wochen Einsatz nach Hause fliegen - eine Ablösung steht schon bereit. Sie bekommen schon vorab per Videokonferenz Updates über die Lage vor Ort, der Wechsel werde problemlos verlaufen, da ist sich der Oberstarzt sicher.

"Die Kameraden kommen am 23., am 24. haben wir Zeit, die Patienten zu übergeben - am 25. fliegen wir raus. Ich denke, dieser Tag Übergabe reicht, das kriegen wir hin. Es ist ein eingespieltes Team, die Patientenversorgung ist wie in Deutschland, und den militärischen Teil, da sind wir einfach Profis, das können wir."

Bundeswehr in Portugal: So läuft der Corona-Hilfseinsatz
Reinhard Spiegelhauer, ARD Madrid
17.02.2021 09:39 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 17. Februar 2021 um 11:35 Uhr.

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