Spannungen zwischen USA und Russland US-Botschafter verlässt Moskau vorerst

Stand: 20.04.2021 12:42 Uhr

Der Kreml hatte US-Botschafter Sullivan kürzlich die Ausreise nahegelegt - jetzt verlässt der Diplomat tatsächlich Moskau. Vorübergehend, wie es heißt: Die Rückkehr sei schon geplant, der unterkühlten Stimmung zum Trotz.

Angesichts der Spannungen zwischen Russland und den USA wird der amerikanische Botschafter in Moskau, John Sullivan, seinen Sitz in dieser Woche verlassen und vorübergehend nach Washington reisen. Sullivan kündigte an, direkt mit seinen neuen Kollegen in der Regierung von US-Präsident Joe Biden sprechen zu wollen. Er werde aber innerhalb weniger Wochen nach Russland zurückkehren.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow hatte Sullivan in der vergangenen Woche die Heimreise nahegelegt, nachdem die USA zehn russische Diplomaten ausgewiesen und Sanktionen gegen Moskau verhängt hatten. Die Strafmaßnahmen waren Konsequenzen unter anderem der Vorwürfe, Russlands habe sich in die US-Wahl im vergangenen Jahr eingemischt.

Wechsel gegenseitiger Strafmaßnahmen

Zuvor hatte schon Russland seinen Botschafter Anatoli Antonow aus Washington zu Konsultationen in die Heimat zurückgerufen. Auslöser dafür war, dass US-Präsident Biden in einem Interview die Frage bejaht hatte, ob er seinen russischen Kollegen Wladimir Putin für einen Mörder halte. Auf die jüngsten US-Sanktionen hatte Russland ebenfalls mit Strafmaßnahmen reagiert und im Gegenzug auch zehn US-Diplomaten ausgewiesen.

"Ich glaube, es ist wichtig für mich, direkt mit meinen neuen Kollegen in der Biden-Regierung in Washington über den gegenwärtigen Zustand in den bilateralen Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Russland zu sprechen", teilte Sullivan mit. Er habe auch seine Familie seit mehr als einem Jahr nicht mehr gesehen. "Das ist ein weiterer wichtiger Grund für mich, für einen Besuch nach Hause zurückzukehren."

Ungewisse Aussicht auf Versöhnung

Die Rivalität zwischen den USA und Russland hatte sich zuletzt verschärft. Biden hat einen härteren Kurs gegenüber der Führung in Moskau angekündigt, nachdem seinem Vorgänger Donald Trump eine zu große Nachgiebigkeit gegenüber Russlands Präsident Putin vorgeworfen worden war. Die Beziehungen werden unter anderem durch die wachsenden Spannungen im Ukraine-Konflikt sowie den Umgang Russlands mit dem inhaftierten Kreml-Kritiker Alexej Nawalny belastet.

Trotz allem hält Biden die Tür für eine Kooperation mit Russland offen: Er schlug ein Gipfeltreffen mit Putin in einem Drittstaat vor. Putin hat bisher nicht zugesagt, lässt aber die Möglichkeit eines persönlichen Treffens mit seinem US-Kollegen in einem europäischen Land in diesem Sommer prüfen. Mehrere EU-Länder haben sich dafür bereits als Gastgeber angeboten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. April 2021 um 19:00 Uhr in den Nachrichten.

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