Besuch von Papst Franziskus Eine Premiere für Irak und Pontifex

Stand: 05.03.2021 18:01 Uhr

Zu ersten Mal ist ein katholisches Kirchenoberhaupt in den Irak gereist. Und während Papst Franziskus für Frieden wirbt, hofft das Land auf einen Schub für das eigene Image.

Von Björn Blaschke, ARD-Studio Kairo

Zur Landung von Papst Franziskus in Bagdad spielte eine Kapelle auf, der rote Teppich war ausgerollt. Im Präsidentenpalast traf der Papst Staatsoberhaupt Barham Salih und trat mit ihm vor die Presse.

Er dankte der Staatengemeinschaft für ihre Unterstützung der Binnenflüchtlinge und für ihre Aufbauhilfe. Und er appellierte an Konfliktparteien im Land - womit Milizen gemeint sein dürften -, die Waffen niederzulegen.

Erster Papstbesuch im Irak

Mit seiner Reise, der ersten seit 2019, will der Papst eine Botschaft der Geschwisterlichkeit überbringen - und des Friedens. Jenseits dieser Botschaft freuen sich viele Christen schlicht über den Besuch. Darunter auch Ziyad, der vor Jahren aus Bagdad nach Erbil geflohen ist, aus Angst vor Attentaten: "Der Besuch des Papstes ist auf jeden Fall ein ungewöhnliches Ereignis. Es ist das erste Mal in der Geschichte, dass ein Papst unser Land besucht. Das ist eine große Sache, besonders für uns als Christen."

Aber auch die meisten nicht-christlichen Iraker finden den Besuch wichtig, unter anderem, weil er das Image des krisen- und kriegsgeschüttelten Landes aufpolieren könnte.

Ahmed al-Sahaf, Sprecher des irakischen Außenministeriums, deutet das ebenfalls an: "Der Besuch seiner Heiligkeit, des Papstes, im Irak lässt die Welt ihre Blicke erneut auf den Irak richten - und schreibt eine Geschichte des Erfolges." Der Irak stehe bei diesem Besuch "als ein Ort der verschiedenen Religionen, der Brüderlichkeit und der Begegnung da", so al-Sahaf weiter: "Auch als ein Ort, von dem die Strahlen der Zivilisation ausgehen und die verschiedenen Symbole der vielfältigen Religionen. Das gibt den Partnern und Freunden des Irak das Vertrauen zurück."

Nur geringer Anteil an Christen in Bagdad

Dabei leben nur noch wenige Tausend Christen in Bagdad. Die meisten sind vor Kriegen geflohen - ins Ausland oder in den Nordirak, in die vergleichbar sicheren Kurdengebiete.

So auch Sundus, die Angst vor Gangsterbanden hatte. In Bagdad hatten solche Banden einen ihrer christlichen Nachbarn drei Mal entführen wollen, berichtet Sundus: "Beim ersten Mal haben sie Lösegeld verlangt, beim zweiten Mal haben sie ihn wieder freigelassen und beim dritten Mal wollten sie ihn töten. Bei wem sollte er Anzeige erstatten? Wo sollte er hingehen? In Bagdad schützt der Staat die Christen nicht."

Hohe Sicherheitsvorkehrungen getroffen

Ein Vorwurf, den die irakische Regierung zurückweisen würde. Derweil sind die Sicherheitsvorkehrungen für den Papst selbst enorm: Im ganzen Land gilt seit heute eine 24-stündige Ausgangssperre. Die Grenzen zwischen den Provinzen des Landes sind abgeriegelt, bis der Papst am Montag wieder abreist. Zu groß ist die Angst davor, dass Franziskus im Irak Ziel eines Anschlages wird.

Offiziell allerdings werden für diese Maßnahmen die steigenden Corona-Zahlen genannt. Die christlichen Familien, die zur Begrüßung des Papstes zum Flughafen in Bussen transportiert wurden, waren handverlesen und zuvor auf das Virus getestet. Das gilt auch für die Gäste, die in den kommenden Tagen an interreligiösen Veranstaltungen, Gebeten und Messen des Papstes teilnehmen wollen.

Papst Franziskus in Bagdad
Björn Blaschke, ARD Kairo
05.03.2021 17:30 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell im Hörfunk am 05. März 2021 um 16:13 Uhr.

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