Militärputsch in Myanmar Internetsperre gegen Proteste

Stand: 06.02.2021 08:47 Uhr

Der Widerstand gegen den Putsch in Myanmar wächst. In der größten Stadt Yangon gingen rund 1000 Menschen auf die Straße. Landesweit gab es Proteste. Das Militär sperrte soziale Medien.

Von Lena Bodewein, ARD-Studio Singapur

"Jeden Abend um acht Uhr nehmen alle Bürger an der Metalltopf-Kampagne teil", erzählt eine junge Frau aus Yangon, der größten Stadt des Landes. Genau dann, wenn die Ausgangssperre beginnt, die die Junta am Montag verhängt hat, beginnt der Lärm - aber solange jeder auf seinem Balkon, an seinem Fenster, auf seinem Hof steht, verstoßen die Topfschläger nicht dagegen.

Lena Bodewein, NDR

Ziviler Ungehorsam

CD, "civil disobedience", ziviler Ungehorsam, heißt das Motto. Videos des Widerstandes kursieren im Internet, die "Metal Pot"-Kampagne findet dort ihre Ergänzung unter dem Schlagwort "Soup not Coup" - "Suppe statt Putsch" - mit einem einfachen Rezept für "Demokratiesuppe in drei Schritten": Topf mit dem Willen des Volkes füllen, feste draufhauen, überschüssiges Militär abgießen, fertig.

Militär sperrt Online-Netzwerke

Das Rezept kursierte auf Twitter. Zu dem Dienst waren viele Menschen übergegangen, nachdem die Militärs Facebook gesperrt hatten - doch jetzt ist auch Twitter abgestellt worden. Das halte die Bewohner Myanmars nicht davon ab, im Widerstand zusammenzukommen, erzählt die junge Frau: "Viele Institutionen beginnen, sich dem zivilen Ungehorsam anzuschließen, auch einige Prominente, Influencer, Schauspielerinnen und Schauspieler, alle machen mit."

Professoren, Lehrer und Schüler haben sich der Kampagne jetzt angeschlossen. Sie legen die Arbeit nieder: "Wir lehnen diesen Militärputsch ab, der unrechtmäßig die Macht von der gewählten Regierung übernommen hat", so eine Dozentin an der Universität Yangon. "Wir wollen niemanden, der Macht stiehlt und damit seine Regierung bildet. Wir arbeiten nicht mehr für sie. Wir wollen, dass der Putsch scheitert."

Proteste in Krankenhäusern, bei der Bahn und in Behörden

Begonnen hatte das medizinische Personal an Krankenhäusern, in Behörden und an medizinischen Fakultäten; inzwischen unterstützen Flugbegleiter, Eisenbahnangestellte, sogar Mitarbeiter von einigen Ministerien die Strategie: "Diese Bewegung des gewaltfreien Widerstands geht in eine sehr positive Richtung, und ich hoffe, dass diese Bewegung etwas erreichen wird."

Viele Menschen tragen rote Schleifen, rote T-Shirts, hängen rote Luftballons an Seilen quer über die Straßen Yangons, rot als Farbe des Widerstands und als Farbe der Nationalen Liga für Demokratie (NLD), der Partei Aung San Suu Kyis. Die NLD hat gestern offiziell erklärt, dass sie die Kampagne des zivilen Ungehorsams unterstützt und allen helfen will, die deswegen Ärger bekommen, ihren Job verlieren oder verhaftet werden.

Sorge um Aung San Suu Kyi

"Möge sie gesund sein, Mutter Suu!" So hallen die Rufe durch die Universitäten: "Wir wollen, dass die Diktatur scheitert!" Die festgesetzte Friedensnobelpreisträgerin ist seit dem Putsch am frühen Montagmorgen noch nicht wiedergesehen worden. Ihr Anwalt berichtet, sowohl sie als auch der Staatspräsident Win Myint befänden sich in ihren jeweiligen Residenzen, aber er dürfe nicht zu ihnen.

"Ich hoffe, wir können erreichen, was wir wollen, ohne Gewalt. Und wenn es Gewalt geben wird, hoffe ich, dass es nur sehr wenig sein wird." Denn davon gab es in Myanmars Geschichte schon zu viel.

Widerstand wächst nach Militärputsch in Myanmar
Lena Bodewein, ARD Singapur
06.02.2021 06:16 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. Februar 2021 um 09:50 Uhr.

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