Chinas Rolle in Myanmar Ungeliebter Investor und Waffenlieferant

Stand: 23.02.2021 12:10 Uhr

Bei den Demonstrationen in Myanmar steht auch China in der Kritik - als vermeintlicher Unterstützer der Militärs. Peking weist das zurück. Das strategische Interesse ist jedoch groß - wie auch das Misstrauen.

Von Ruth Kirchner, ARD-Studio Peking

Seit dem Putsch in Myanmar Anfang Februar ziehen Demonstranten immer wieder auch an der chinesischen Botschaft in Yangon vorbei - auf Plakaten steht auf Chinesisch: "Stoppt den Militärputsch."

Mehr als 3000 Kilometer weiter nördlich - in Peking - weist die chinesische Außenamtssprecherin Hua Chunying Kritik zurück, dass China den Umsturz irgendwie unterstützt hat oder billigt: "Solche Berichte im Internet sind reine Gerüchte, die nur dazu dienen, die freundschaftlichen Beziehungen zwischen China und Myanmar zu zerstören."

Komplizierte Beziehungen

Jahrelang liefen die Beziehungen tatsächlich gut, waren aber kompliziert. Peking stärkte der alten Militärjunta den Rücken und schütze sie - etwa im Welt-Sicherheitsrat. Myanmar ließ sich helfen, wollte sich aber mit der vorsichtigen Öffnung vor zehn Jahren auch aus der Abhängigkeit vom großen Nachbarn befreien. Chinas Führung wiederum umwarb seitdem die De-Facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi.

Jetzt beobachtet Peking nervös, wie sich die Lage jenseits der 2000 Kilometer langen gemeinsamen Grenze entwickelt. "Unter dem Strich mag China keine Instabilität", sagt Matt Ferchen, Experte für chinesische Außenpolitik beim Mercator-Institut für Chinastudien in Berlin. "Die Führung mag es nicht, wenn unklar ist, wer ihre Ansprechpartner sind und was deren Politik sein wird."

Pekings strategische Interessen in Myanmar

China hat große ökonomische und strategische Interessen in Myanmar - ist wichtigster Waffenlieferant, Handelspartner und Großinvestor. Unter Aung San Suu Kyi wurde die Zusammenarbeit weiter ausgebaut.

Es geht um einen Tiefwasserhafen am Golf von Bengalen, der China Zugang zum Indischen Ozean verschaffen soll, um eine Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Myanmars Küstenregion und Chinas Südwesten. Und es geht um Öl- und Gaspipelines. "All das war schon vor dem Putsch riskant", sagt Ferchen. "Jetzt wirft der Coup ein Schlaglicht auf die Herausforderungen bei der Umsetzung dieser großen Infrastrukturprojekte."

Großes Misstrauen unter Generälen und Bevölkerung

Doch auch international steht China unter Druck: Die Vereinten Nationen fordern ein Ende der Gewalt in Myanmar - und mehr Engagement der chinesischen Führung, um noch mehr Blutvergießen zu verhindern. "China könnte eine sehr wichtige Rolle spielen", sagt der UN-Sonderbeauftragte für Menschenrechte in Myanmar, Tom Andrews. "China ist sehr einflussreich und könnte hinter den Kulissen Druck machen - das wäre sehr hilfreich."

Aber das ist eher Wunschdenken. Das Misstrauen gegen China in Myanmar ist groß - nicht nur in der Bevölkerung, auch unter den Generälen. China hält zudem eisern am Grundsatz der Nicht-Einmischung fest, lehnt Sanktionen gegen die neue Militärführung ab. Dass die USA, Chinas großer Gegenspieler in Asien, bereits Sanktionen verhängt haben und die EU ebenfalls Strafmaßnahmen plant, könnte für China wiederum von Vorteil sein - und die Militärs in Myanmar doch wieder in Pekings Arme treiben.

Chinas Rolle in Myanmar
Ruth Kirchner, ARD Peking
23.02.2021 11:16 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 23. Februar 2021 um 05:45 Uhr.

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Ruth Kirchner, RBB

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