Polizeieinsatz gegen Demonstranten Weitere Tote bei Protesten in Myanmar

Stand: 20.02.2021 14:27 Uhr

Knapp drei Wochen nach dem Militärputsch in Myanmar verschärft sich die Lage in dem Land weiter: Bei erneuten Protesten gegen die Militärregierung wurden zwei Menschen offenbar durch Polizeikugeln getötet.

In Myanmar lassen die Proteste gegen das Militärregime nicht nach: Wieder gingen Tausende Menschen in mehreren Städten des Landes auf die Straßen. Gleichzeitig erhöhten die Sicherheitskräfte mit dem Einsatz von Wasserwerfern, Tränengas, Gummigeschossen - und möglicherweise auch scharfer Munition - den Druck auf die demonstrierenden Putschgegner.

In Mandalay soll es laut Rettungskräften mindestens zwei Todesopfer gegeben haben. Sie sollen demnach durch Polizeischüsse getötet worden sein. Eines der Opfer sei am Kopf getroffen worden und sofort tot gewesen. Dem zweiten sei in den Oberkörper geschossen worden, es starb laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Frontier Myanmar" auf dem Weg ins Krankenhaus. Zudem lagen Berichte über mehrere Schwerverletzte vor. Auf Videoaufnahmen eines Senders war zu sehen, wie Sicherheitskräfte das Feuer eröffneten, um die Menge zu zerstreuen. Unklar war zunächst, ob es sich dabei Gummigeschosse oder scharfe Munition handelte. Fotos in sozialen Medien ließen aber auf scharfe Geschosse schließen. Zu sehen ist auch der Einsatz von Tränengas.

Etwa 500 Polizisten und Soldaten waren hier nahe der Hafenanlage Yadanabon im Einsatz, nachdem sich Dockarbeiter der landesweiten Bewegung für zivilen Widerstand angeschlossen und in einen Streik getreten waren. Sie fordern die Wiedereinsetzung der demokratisch gewählten Regierung, die am 1. Februar vom Militär gestürzt wurde. Demonstrierende und Bewohner flüchteten vor der Gewalt aus dem Viertel, verfolgt von Sicherheitskräften.

Demonstranten gedenken einer 20-Jährigen

In Yangon, der größten Stadt des südostasiatischen Landes, gedachten die Demonstranten des ersten Todesopfers der Proteste. Dabei handelt es sich um Mya Thwet Thwet Khine, eine 20-Jährige, die am 9. Februar in der Hauptstadt Naypyidaw durch den Schuss aus einer Maschinenpistole am Kopf schwer verwundet wurde und am Freitag ihren Verletzungen erlag. Ein Passant hatte den Vorfall am 9. Februar gefilmt. Ihr Schicksal machte die Studentin in ganz Myanmar zu einer Symbolfigur des Widerstands gegen die Junta.

Nach dem Tod der jungen Frau forderten die USA die Militärregierung in Myanmar zum Gewaltverzicht auf. "Wir verurteilen die Gewalt gegen das Volk von Burma und bekräftigen unsere Aufrufe an das burmesische Militär, von Gewalt gegen friedliche Demonstranten abzusehen", sagte US-Außenamtssprecher Ned Price. Burma - oder im Deutschen auch Birma - ist der frühere Name Myanmars. 

Militärputsch am 1. Februar

Am 1. Februar hatte die Armee wenige Stunden vor der konstituierenden Sitzung des neuen Parlaments die Macht an sich gerissen und einen zwölfmonatigen Notstand ausgerufen. Das Militär begründete den Staatsstreich mit unbewiesenen Vorwürfen der Manipulation der Parlamentswahl vom 8. November 2020. Die entmachtete De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi steht seit dem Putsch unter Hausarrest.

Tote bei Protesten in Myanmar
Lena Bodewein, ARD Singapur
20.02.2021 15:40 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 20. Februar 2021 um 16:00 Uhr.

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