Sanaa im Jemen Mehr als 80 Tote nach Brand in Migrantenlager

Stand: 10.03.2021 17:47 Uhr

Klinikmitarbeitern soll es verboten worden sein, über die Katastrophe zu sprechen: Erst jetzt wird klar, dass ein Brand in einem jemenitischen Migrantenlager offenbar verheerend war.

Von Jürgen Stryjak, ARD-Studio Kairo

Mehrere Tage lang sprach die Internationale Organisation für Migration von mindestens acht Toten. Jetzt wird jedoch langsam das ganze Ausmaß der Brandkatastrophe klar: Bei dem Feuer, das am Sonntag in einem Migrantenlager in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa ausgebrochen war, sollen mindestens 80 Menschen ums Leben gekommen sein. Das erfuhr die Nachrichtenagentur dpa aus medizinischen Kreisen.

Die meisten der rund 150 Verletzten würden in Lebensgefahr schweben. Bei den Opfern handele es sich überwiegend um Migranten. Nach Informationen der Internationalen Organisation für Migration waren in dem Lager vorwiegend Geflüchtete aus Äthiopien untergebracht. Die Brandursache ist bislang unbekannt.

Trotz des Krieges im Jemen kommen jährlich Zehntausende Afrikanerinnen und Afrikaner in das arabische Land. Die meisten wollen von dort auf der Suche nach Arbeit in die reichen Golfstaaten weiterreisen.

Streit zwischen Migranten und Huthi-Aufsehern?

Die jemenitische Menschenrechtsorganisation Muwatena teilte mit, dass nach dem Brand inzwischen einige der Verletzten festgenommen worden seien. Die Huthi-Aufständischen, die die Hauptstadt Sanaa kontrollieren, sollen es zudem Klinikmitarbeitern und Verletzten strikt untersagt haben, öffentlich über die Feuerkatastrophe zu reden.

Augenzeugen hätten der Menschenrechtsorganisation berichtet, dass es kurz vor dem Ausbruch des Feuers einen Streit zwischen Migranten und Huthi-Aufsehern gegeben habe. Der Streit sei eskaliert - dann hätte jemand rauchende Gegenstände durch ein Fenster geworfen, die explodiert seien.

Jemen - Mehr als 80 Tote bei Brand in Migrantenlager
Jürgen Stryjak, ARD Kairo
10.03.2021 16:47 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. März 2021 um 18:00 Uhr.

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