Gouverneur von New York Missbrauchs-Vorwürfe gegen Cuomo

Stand: 01.03.2021 17:56 Uhr

New Yorks Gouverneur Cuomo galt als Hoffnungsträger der US-Demokraten - auch, weil er die Pandemie recht gut in den Griff bekam. Doch dann wurden Lügen aufgedeckt - und nun erheben zwei Frauen Missbrauchs-Vorwürfe.

Von Antje Passenheim, ARD-Studio New York

Vom Helden zum Angeklagten - die US-Medien überschlagen sich mit Berichten über die Vorwürfe gegen New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo. Der zeigte sich bestürzt und reagierte mit einer schriftlichen Erklärung. Möglicherweise habe er sich "unsensibel" verhalten, zitiert ihn eine Sprecherin im Sender CNN: "Ich räume ein, dass einige der Dinge, die ich gesagt habe, als unerwünschte Flirts fehlinterpretiert worden sind. Soweit das jemand so empfunden hat, tut mir das aufrichtig leid."

Cuomo bleibt dabei: Er habe niemals Mitarbeiterinnen unsittliche Angebote gemacht. "Bei der Arbeit sei er manchmal verspielt und mache Witze, die er als lustig empfinde. Er ziehe manchmal Leute auf - aber in angemessener Weise", zitiert die Sprecherin weiter.

Vorwürfe von zwei Frauen

Mindestens zwei von Cuomos ehemaligen Mitarbeiterinnen sehen das anders. Der 63-Jährige habe sie wiederholt bedrängt und unangemessen berührt. Eine frühere Kollegin in seiner Wirtschaftsabteilung berichtete, Cuomo habe sie gegen ihren Willen geküsst. Eine 25-Jährige ehemalige Gesundheitsberaterin in Cuomos Regierung sagte, er habe sie zum Sex aufgefordert. Es sei für sie einer der dunkelsten Momente ihres Lebens gewesen.

Die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, erklärte: Auch Präsident Biden fordere Aufklärung: "Es muss eine Unabhängige Untersuchung geben - und zwar so schnell wie möglich."

Die verlangt auch die New Yorker Generalstaatsanwältin und Justizministerin Letitia James und will sie höchstpersönlich leiten. Cuomo willigte bereits ein. Er werde bei den Untersuchungen kooperieren.

Ende eines Hoffnungsträgers?

Cuomos Stern sinkt in New York seit geraumer Zeit. Der markante Politiker galt seit dem Beginn der Corona-Pandemie vielen Amerikanern als Hoffnungsträger. Der Demokrat versprach, seine Politik nach wissenschaftlichen Notwendigkeiten auszurichten. Er inszenierte sich als Gegenentwurf zum damaligen republikanischen Präsidenten Donald Trump. Der Freund von Joe Biden wurde sogar schon als möglicher nächster Präsidentschaftskandidat gehandelt.

"Es ist ein schwerer Moment für ihn", erklärt der Politologe Hank Sheinkopf. "Das ist wie ein Monsun. Alles wird ihm nun vorgeworfen." Etwa, dass er die Bilanz der Corona-Toten in New York geschönt haben soll, um besser dazustehen. Und eine Mitarbeiterin hat das bereits bestätigt. Etliche Demokraten kritisieren Cuomos autoritären Führungsstil.

Kritik auch von Demokraten

Auf die neuen Vorwürfe reagieren nicht nur seine politischen Gegner empört. Auch Demokratinnen wie die Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio Cortez oder die New Yorker Senatorin Alessandra Biaggi: "Er hat seine Macht genutzt, um Menschen zu quälen und zu bedrohen. Wenn du diese Grenze überschreitest, ist das Misshandlung."

Die Untersuchungen laufen - und auch die Bemühungen der Demokraten, Cuomos Machtbefugnisse infolge der Corona-Pandemie zu beschneiden. In Umfragen sinken seine Zustimmungswerte bereits. Demnach findet nur noch knapp die Hälfte der New Yorker, dass der Gouverneur gute Arbeit leistet - im vergangenen Juli waren es noch 66 Prozent.

 

Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegen New Yorks Corona-Held Cuomo
Antje Passenheim, ARD New York
01.03.2021 17:35 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 01. März 2021 um 22:42 Uhr.

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