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#kurzerklärt Was steckt hinter der "50+1"-Regel?

Stand: 12.01.2018 18:19 Uhr

Ein reicher Investor, der die Mehrheit an einem Fußball-Klub hält? Was in anderen Ländern längst Realität ist, wird in Deutschland - noch - durch die sogenannte "50+1"-Regel verhindert. Was verbirgt sich hinter dieser Regelung? Welche Ausnahmen gibt es?

Von Martin Schmidt, SWR

Mal eben für 222 Millionen Euro den brasilianischen Fußballer Neymar kaufen? Kein Problem für Paris St. Germain - dank der Milliarden des Emirs aus Katar. Der hat beim französischen Fußballverein das Sagen, seit seine Investmentgruppe "Qatar Sports Investments" dort 2011 die Mehrheit übernommen hat. Fast eine Milliarde Euro soll Paris seitdem für neue Spieler ausgegeben haben.

Ein Scheich, der mal eben einen Profi-Klub übernimmt - in Deutschland wäre das so schnell nicht möglich. Das verhindert die sogenannte "50+1"-Regel. Und so funktioniert sie: 15 von 18 Bundesliga-Vereinen haben ihre Profi-Abteilungen ausgegliedert - zum Beispiel in Aktiengesellschaften (AG) oder Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH).

Das Ausgliedern der Profi-Abteilungen ist allerdings nur erlaubt, solange die Vereine selbst weiterhin das Sagen haben. Sie müssen also mehr als die Hälfte der Stimmanteile an den Unternehmen behalten: Mindestens 50 Prozent plus einen weiteren Stimmanteil - so steht es in der Satzung des Deutschen Fußball-Bundes in Paragraph 16c.

Auch in der Bundesliga gibt es Investoren

Beispiel Bayern München: Der Mutterverein besitzt noch 75 Prozent der Bayern München AG. Zu je 8,33 Prozent haben sich die Unternehmen Adidas, Audi und Allianz bei den Profifußballern eingekauft. Es ist also nicht so, dass es gar keine Investoren in der Bundesliga gäbe. Viele Vereine haben sich fremdes Geld besorgt und dafür Anteile abgegeben. Auch beim VfB Stuttgart haben sich die Mitglieder im vergangenen Sommer dazu entschieden, der Daimler AG Anteile an ihrer Profiabteilung in Höhe von knapp zwölf Prozent abzutreten. Dafür gab es 41,5 Millionen Euro vom Automobilkonzern.

Bei Borussia Dortmund ist das Ganze ein wenig komplizierter, denn auch Kleinanleger können sich Anteile der Schwarz-Gelben zulegen. So sind die Aktien der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA zu 60 Prozent in Streubesitz. Das Unternehmen Evonik hält knapp 15 Prozent, Großinvestor Bernd Geske neun Prozent und der eigentliche Mutterverein der Profis, der Ballspielverein Borussia 09 e. V, nur noch rund fünf Prozent. Weil die Borussia Dortmund GmbH aber weiterhin mehrheitlich die Stimmrechte besitzt, ist das Konstrukt für den DFB in Ordnung.

#kurzerklärt: Was ist die 50+1 Regel?
nachtmagazin, 12.01.2018, Martin Schmidt, SWR

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"Lex Leverkusen" – die Ausnahme der Regel

Eine Ausnahme gestattet die DFB-Satzung: So hält der Bayer-Konzern die Mehrheit an der Bayer 04 Leverkusen Fußball GmbH. Laut Paragraph 16c darf Bayer das, weil der Pharmakonzern seinen Werksklub länger als 20 Jahre ununterbrochen und erheblich gefördert hat. Die Regelung wird auch als "Lex Leverkusen bezeichnet". Auch der VfL Wolfsburg mit Geldgeber VW und die TSG Hoffenheim mit SAP-Gründer Dietmar Hopp nutzen diese Ausnahmeregelung.

Hannover 96 könnte bald folgen. Schon im vergangenen Spätsommer hat der Hörgeräte-Fabrikant Martin Kind einen entsprechenden Antrag bei der DFL eingereicht. Er will die Stimmen-Mehrheit bei der Profi-Ausgliederung von Hannover übernehmen, weil auch er den Verein mehr als 20 Jahre lang finanziell unterstützt. Eigentlich war schon Ende des Jahres mit einer Entscheidung gerechnet worden, noch steht sie allerdings aus.

Auch in den Fangruppen anderer Vereine gibt es Bedenken. Sie fürchten, dass die "50+1"-Regel sogar ganz abgeschafft werden könnte. Immer wieder bringen Spitzenfunktionäre des deutschen Fußballs diese Option ins Spiel. Ohne das Geld großer Investoren könnten die deutschen Klubs international den Anschluss verlieren, argumentieren die Gegner der Regel. Als Beispiel führen sie gerne die laufende Saison an: Nur die Bayern haben die Gruppenphase der Champions League überstanden. In der Europa League hat es keiner der drei deutschen Starter in die nächste Runde geschafft.

Investor beschwert sich beim Kartellamt

Der jordanische Investor Hasan Ismaik ist ebenfalls ein entschiedener Gegner der "50+1"-Regel. Er reichte beim Bundeskartellamt Beschwerde ein. Obwohl 1860 München nur noch in der vierten Liga spielt, wäre Ismail bereit, finanziell nachzulegen - im Gegenzug für die Stimmenmehrheit im Klub. Bislang aber, so bestätigt es ein Sprecher des Kartellamtes gegenüber tagesschau.de, ist seine Beschwerde noch nicht einmal geprüft worden.

Die Erfolgsaussichten Ismaiks sind unklar. Zwar gibt es Äußerungen von Kartellrechtsexperten, die z.B. von einer unerlaubten Investitionsbeschränkung sprechen, aber das Bundeskartellamt duldet die Regelung schon seit vielen Jahren. Bei Bedenken hätten die Beamten außerdem längst selbst aktiv werden können.

Über dieses Thema berichtete das nachtmagazin am 12. Januar 2018 um 01:00 Uhr.

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