Der Angeklagten Patrick F. (links) im "Freital"-Prozess mit einem Vollzugsbeamten im Verhandlungssaal in der Justizvollzugsanstalt Dresden. | Bildquelle: dpa

Plädoyer der Bundesanwaltschaft Lange Haft für "Gruppe Freital" gefordert

Stand: 17.01.2018 18:28 Uhr

Im Prozess um die rechtsextreme "Gruppe Freital" hat die Bundesanwaltschaft den Angeklagten versuchten Mord und die Bildung einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Sie forderte lange Haftstrafen.

Im Terrorprozess gegen die rechtsextreme "Gruppe Freital" hat die Bundesanwaltschaft lange Haftstrafen gefordert. Unter anderem wegen der Bildung einer terroristischen Vereinigung und versuchten Mordes sollen die als Rädelsführer angeklagten Patrick F. und Timo S. für elf beziehungsweise zehn Jahre und neun Monate hinter Gitter.

Für die übrigen sechs Angeklagten im Alter zwischen 20 und 40 Jahren forderte Oberstaatsanwalt Jörn Hauschild vor dem Oberlandesgericht Dresden Strafen zwischen neuneinhalb und fünf Jahren. Dabei sei der jüngste Angeklagte nach Jugendstrafrecht zu behandeln.

Bei einem Anschlag auf eine Wohnung von Asylbewerbern in Freital ein Mensch leicht verletzt (01.11.2015) | Bildquelle: dpa
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Foto nach einem Anschlag auf eine Wohnung von Asylbewerbern in Freital im November 2015. Ein Mensch wurde leicht verletzt.

Mutmaßlich fünf Anschläge

Die Gruppe wird in wechselnder Zusammensetzung und Funktion für fünf Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte und politische Gegner von Juli bis November 2015 in Freital und Dresden verantwortlich gemacht. Die sieben Männer und eine Frau hätten bei den Sprengstoffanschlägen auch die Tötung von Menschen in Kauf genommen, sagte Hauschild während seines mehrstündigen Schlussvortrags. Der 28-jährige Timo S. und der 26-jährige Patrick F. hätten als Rädelsführer fungiert.

Den Angeklagten sei es darauf angekommen, "ein Klima der Angst zu schaffen", so Hauschild. Ausländern und politischen Gegnern hätten die Mitglieder "das Recht abgesprochen, in Frieden zu leben". Den Taten habe eine fremdenfeindliche, rechtsextreme und zum Teil nationalsozialistische Ideologie zugrunde gelegen. Insofern handele es sich um Angriffe "gleichsam auf das demokratische Grundprinzip", die auch den "inneren Frieden der Bundesrepublik Deutschland" stören sollten.

Festnahme durch die GSG 9

Kurz nach dem letzten Anschlag waren Timo S., Patrick F. sowie die mitangeklagten Philipp W. (30) und Maria K. (29) festgenommen worden. Die Frau kam kurz darauf wieder frei, wurde aber im April bei einem Einsatz der GSG 9 in Freital zusammen mit den übrigen Beschuldigten Mike S. (39), Justin S. (20), Sebastian W. (27) und Rico K. (40) wieder festgenommen. Seither sitzen alle Angeklagten in Untersuchungshaft.

Er sei überzeugt, dass zum Zeitpunkt des Auffliegens der Gruppe "das Ende der Gewalt noch nicht erreicht war", sagte Hauschild. Außerdem sei es nur glücklichen Umständen zu verdanken gewesen, dass niemand getötet worden sei. "Die Frage nach dem ersten Toten war keine Frage des Ob, sondern eine des Wann."

Zahlreiche Menschen demonstrieren gegen eine Flüchtlingsunterkunft in Freital
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Demonstration 2015 gegen eine Flüchtlingsunterkunft in Freital. Irgendwann haben den Angeklagten die Kundgebungen nicht mehr gereicht, so der Oberstaatsanwalt.

Demonstrationen vor Flüchtlingsunterkunft

Die Gruppe habe sich 2015 im Zuge der fremdenfeindlichen Demonstrationen vor einer Flüchtlingsunterkunft in Freital zusammengefunden, sagte der Staatsanwalt. "Weil den Angeklagten die Kundgebungen nicht mehr reichten, beschlossen sie schließlich, zum Mittel der Gewalt zu greifen."

Der Prozess läuft seit März vergangenen Jahres und findet unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen in einem extra dafür eingerichteten Verhandlungssaal statt. Am kommenden Freitag beginnen die Vertreter der Nebenkläger mit ihren Plädoyers, anschließend sind die Verteidiger der acht Angeklagten mit ihren Schlussvorträgen dran. Mit einem Urteil wird im März gerechnet.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 17. Januar 2018 um 18:23 Uhr.

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