Main Street in New York 1900 | Bildquelle: picture alliance / Glasshouse Im

Historie des Automobils Autos in den USA - nicht immer die große Liebe

Stand: 14.01.2018 13:23 Uhr

Burger, Bankgeschäft, Bibel-Lesung - in den USA gibt es fast nichts, was sich nicht vom Auto aus erledigen ließe. Die Messe in Detroit feiert gerade wieder Pick-ups und SUVs. Dabei waren die Amerikaner bei der Einführung des Autos skeptisch.

Von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington

Ob Washington, Los Angeles oder Detroit - durch alle Großstädte der USA führen breite Straßen, mehrspurige Brücken, Beltways und Highways.

Das war natürlich nicht immer so, sagt der Historiker Peter Norton. Bei einem Vortrag in Chicago zeigt Norton Zeitungsausschnitte vom Beginn des 20. Jahrhunderts, die die öffentliche Meinung der Zeit widerspiegeln: "Die meisten Menschen stimmten überein, die Straßen sind für Kinder zum Spielen", schreibt die "Chicago Tribune" 1912.

1925 wollte die Stadt Cincinnati Autofahrern grundsätzlich verbieten, schneller als 40 Kilometer pro Stunde zu fahren. Aber die Auto-Industrie mobilisierte - das Gesetz wurde abgelehnt. Fußgänger wurden zunehmend als Fortschrittsverweigerer dargestellt. Die Verkehrserziehung in vielen Schulen stattete der US-Automobilclub AAA aus.

Herald Square, New York City 1901 | Bildquelle: picture alliance / Glasshouse Im
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Idyll mit Straßenbahn: Anfangs konnte sich das Automobil in den USA nur schwer durchsetzen...

Verkehr in New York. | Bildquelle: AP
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...inzwischen gehört das Auto zum "American Way of Life" wie Burger und Baseball.

Geschicktes Marketing fürs Auto

Dem Auto gehörte die neue Zeit. Städte rissen Straßenbahngleise raus und verbrannten Wagons. Ganze Stadtviertel mussten Straßen und Parkplätzen weichen, erzählt Norton. Es wurde bequem, alles mit dem Auto zu erledigen. Die Weite des Landes wurde für jeden Einzelnen erfahrbar. Damit wuchs "die Liebe der Amerikaner zum Automobil".

Dieser Ausspruch geht auf eine Fernsehsendung von 1961 mit Groucho Marx zurück, in der er sagt: "Ohne Pferde, hätte das Auto nicht gehabt, was es ersetzen kann. Und die Liebesbeziehung zwischen einem Mann und seinen Auto wäre nie möglich." Damit begann der Spruch.

"Die meisten Menschen heute halten das für eine Volksweisheit", sagt der Historiker Norton. Dabei würden sie das geniale Marketing nicht erkennen: "Denn wenn es eine Liebesbeziehung ist, dann musst du das nicht rechtfertigen. Liebe macht blind, Liebe überwindet Hindernisse."

Und so setzte sich das Auto durch und gewann in US-Städten die Hoheit. Die Innenstädte gingen kaputt. Die Bewohner zogen in Suburbs, von wo aus sie die Stadt mit dem Auto erreichen. Deshalb sei Dowtown Detroit heute eigentlich keine Stadt, so Norton, sondern ein einziger Parkplatz. "Nur so passen alle Autos in die Stadt, die von den vielen Autobahnen kommen."

Dabei versuchen US-Städte umzudenken: In Denver und Minneapolis sind neue Straßenbahnlinien entstanden. In Detroit hat die Autoindustrie nach dem Crash vor zehn Jahren viele Arbeitsplätze verloren. Davon profitieren die Zweiräder: Mit Detroit Bikes gibt es wieder einen Fahrradhersteller vor Ort und die Stadt plant, Fußwege zu Boulevards zu erweitern.

Heilsbringer autonomes Fahren?

Aber die Autoindustrie hat ein neues Versprechen: autonom fahrende Wagen und künstliche Intelligenz im Verkehr. Die Technik soll helfen, Verkehrsopfer zu vermeiden. Doch sie löse den grundsätzlichen Verteilungskampf zwischen Fußgängern, Radfahrern, öffentlichem Nahverkehr und privaten Autos in der Stadt nicht, so Norton. "Sie wollen das Modell des individuellen Verkehrs beibehalten", sagt der Historiker. Autofahren werde dabei mit dem Smartphone gleichgesetzt, das man nicht teilen wolle. Das Autofahren zur "sexy-dynamischen Erfahrung" stilisiert.

Das ist die Ausgangslage für die Auto-Show in Detroit, bei der Chevrolet einen neuen Pick-up präsentiert, Mercedes einen Geländewagen und VW den neuen Jetta für den US Markt. Konzepte für moderne Mobilität verspricht die Ausstellung an Ständen von Start-ups, Städten und Universitäten.

Auto Show in Detroit
T. Teichmann, BR Washington
14.01.2018 11:58 Uhr

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Über dieses Thema berichtete WDR5 am 14. Januar 2018 um 13:00 Uhr im Mittagsecho.

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