US-Präsident Donald Trump | Bildquelle: AFP

Ein Jahr Trumps Außenpolitik Was ist aus "America first" geworden?

Stand: 18.01.2018 04:49 Uhr

Das Amt wird Trump präsidialer machen - das war die Haltung vieler im Ausland, bevor der US-Präsident vor einem Jahr sein Amt antrat. Bewahrheitet hat sich diese Hoffnung größtenteils allerdings nicht.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Normalerweise nutzen US-Präsidenten ihre Antrittsrede um Brücken zu schlagen. Innenpolitisch wollen sie die Gräben des Wahlkampfs schließen. Außenpolitisch soll die Welt wissen, dass sie sich auf Amerika als Führungs- und Schutzmacht des Westens verlassen kann: Internationalismus, freier Welthandel und der moralische Anspruch, die "leuchtende Stadt auf dem Hügel" zu sein - das war seit dem Zweiten Weltkrieg das Credo amerikanischer Präsidenten.

Donald Trump legt Amtseid ab | Bildquelle: AP
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Donald Trump legt in der traditionellen Zeremonie vor dem Kapitol in Washington im Kreis seiner Familie den Amtseid ab.

Umso geschockter war die Welt, als Donald Trump kurz nach seinem Amtseid eine radikale Kehrtwende verkündete. "Von diesem Tag an wird eine neue Vision unser Land regieren", proklamierte er. "Von heute an gilt nur noch: Amerika zuerst!"

Es war eine nationalistische, protektionistische und düstere Rede, stark beeinflusst durch das rechtspopulistische Gedankengut von Trumps mittlerweile geschasstem Chefstrategen Steve Bannon.

Kündigen und zurückfahren

Im Laufe des Jahres vollzog Trump tatsächlich mehrere außenpolitische Kehrtwenden: Das von seinem Vorgänger Barack Obama mühsam ausgehandelte Pariser Klimaschutzabkommen kündigte Trump. Die von Obama eingeleitete Öffnungspolitik zu Kuba fuhr er deutlich zurück. Trump erkannte Jerusalem als Hauptstadt Israels an - ein Bruch mit der jahrzehntelangen Nahost-Politik der USA. Am Iran-Atomabkommen hält Trump zwar noch fest, fordert aber solch weitreichende Nachbesserungen, dass Experten dem Atomdeal keine Überlebenschance mehr geben.

Auch die NATO-Verbündeten verunsicherte Trump bei seinem Amtsantritt. "Jahrzehntelang haben wir ausländische Industrien zu unseren Lasten reicher gemacht. Wir haben die Grenzen anderer Länder verteidigt, nicht aber unsere eigenen", so der US-Präsident.

Bilanz zu einjähriger Amtszeit von US-Präsident Trump
nachtmagazin 00:22 Uhr, 18.01.2018, Jan Philipp Burgard, ARD Washington

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"Zahlt mehr für die gemeinsame Verteidigung oder wir stehen Euch im Ernstfall nicht bei!" Nie zuvor hatte ein US-Präsident die NATO-Beistandspflicht in Frage gestellt. Erst das massive Drängen der europäischen Verbündeten und deren Zusicherung, zwei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts in die Verteidigung zu stecken, konnte Trump besänftigen.

US-Präsenz in Afghanistan soll ausgebaut werden

Ebenfalls Abstriche von seiner Wahlkampfrhetorik machte Trump beim Thema Afghanistan. Statt des versprochenen Rückzugs aller US-Soldaten will Trump nun sogar die US-Präsenz am Hindukusch ausbauen. Auch eine weitere Ankündigung aus seiner Antrittsrede vor einem Jahr setzte Trump bislang nur zur Hälfte um: "Protektion wird zu Wohlstand und Stärke führen", sagte er. " Wir werden zwei einfachen Regeln folgen: Kauft amerikanisch! Und stellt Amerikaner ein!"

Dass Trump von Freihandelsabkommen wenig hält, machte er schnell deutlich. Das von Obama jahrelang ausgehandelte Transpazifische Freihandelsabkommen mit zwölf Pazifik-Anrainer-Staaten killte Trump noch in der ersten Amtswoche. In die entstandene Lücke sprang sofort China mit seinem Seidenstraßen-Projekt.

Auch das Transatlantische Freihandelsabkommen TTIP hat unter Trump keine Chance. Das seit fast 25 Jahren existierende Nordamerikanische Freihandelsabkommen NAFTA, von dem auch die deutsche Industrie profitiert, wollte Trump zunächst abschaffen. Auf Bitten Kanadas und Mexikos lässt Trump NAFTA neuverhandeln, allerdings mit solch weitreichenden Forderungen, dass sich Kanada derzeit auf ein Scheitern einstellt.

Während Trump den diplomatischen Einfluss der USA und seine "soft power" in der Welt bewusst zurückfährt, will er die militärische "hard power" der Supermacht weiter ausbauen. Der US-Militärhaushalt soll massiv erhöht werden. Trump will auch neue Atomwaffen. Sein Motto "Frieden durch Stärke" soll letztlich auch Nordkorea zum Einlenken bringen. Der Konflikt auf der koreanischen Halbinsel wird auch im zweiten Amtsjahr Trumps der gefährlichste unter den vielen Krisenherden der Welt sein. 

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Amtseinführung von Donald Trump am 20. Januar 2017

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Der Republikaner Donald Trump ist der 45. Präsident der USA. In der traditionellen Zeremonie vor dem Kapitol in Washington legte er im Kreis seiner Familie den Amtseid ab. Die zwei Bibeln hielt seine Frau Melania. | Bildquelle: AP

Ein Jahr Trumps Außenpolitik: Was ist aus "America First" geworden?
Martin Ganslmeier, ARD Washington
18.01.2018 00:59 Uhr

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Über dieses Thema berichtete das nachtmagazin am 17. Januar 2018 um 00:22 Uhr.

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