Mesale Tolu | Bildquelle: dpa

Nach Gerichtsentscheid Journalistin Tolu freigelassen

Stand: 18.12.2017 20:33 Uhr

Die deutsche Journalistin Tolu ist am Abend freigelassen worden. Zuvor musste sie noch Stunden auf einer Polizeiwache zubringen, weil widersprüchliche Anweisungen darüber vorlagen, ob sie in der Türkei bleiben muss oder ausgewiesen wird.

In Istanbul ist die deutsche Journalistin und Übersetzerin Mesale Tolu freigelassen worden. Am Abend konnte Tolu in Begleitung ihrer Familie eine Polizeistation im Istanbuler Stadtteil Fatih verlassen. Dort war sie nach dem Verlassen des Gefängnisses hingebracht und festgehalten worden.

Grund waren offenbar widersprüchliche Anweisungen. Tolus Anwältin Gülhan Kaya erklärte, die Anti-Terror-Einheit der Polizei habe Tolus Abschiebung angeordnet. Zuvor hatte das Gericht allerdings ein Ausreiseverbot bis zu einem Urteil in dem Verfahren gegen die Deutsche verhängt. Die widersprüchlichen Anordnungen sorgten nach Angaben der Anwältin für Verwirrung auf der Wache.

Unklar war zunächst auch, auf welche Polizeiwache in Istanbul sie gebracht worden war. Die Familie und deutsche Botschafter Martin Erdmann fuhren verschiedene Polizeistationen auf der Suche nach ihr ab. Erdmann zeigte sich empört über die türkischen Behörden: "Die spielen mit uns ein Versteckspiel."

Oliver Mayer-Rüth, ARD Istanbul, zur Freilassung Mesale Tolus
tagesschau 20:00 Uhr, 18.12.2017

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Mehr als sieben Monate im Gefängnis

Tolu hatte mehr als sieben Monate im Frauengefängnis im Istanbuler Stadtteil Bakirköy eingesessen. Anfangs war auch ihr dreijähriger Sohn bei ihr, der später zu Angehörigen gebracht wurde.

Das Gericht entließ Tolu am Montag zwar aus der Untersuchungshaft, doch der Vorwurf der Mitgliedschaft in der linksextremistischen MLKP bleibt bestehen. Diese gilt in der Türkei als Terrororganisation. Bei einem Urteil drohen Tolu bis zu 15 Jahre Haft.

Jemand zeigt ein Plakat her, das Mesale Tolus Gesicht und Namen trägt. | Bildquelle: dpa
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Tolu hatte als Journalistin kritisch über die Türkei berichtet.

Tolus Anwältin Kader Tonc erklärte, die Freilassung ihrer Mandantin zeige, dass die Justiz nichts gegen Tolu in der Hand habe. "Nun hat selbst der Staatsanwalt ihre Freilassung beantragt, denn er hat gesehen, dass die Anschuldigungen gegen sie nicht haltbar waren", erklärte Tonc. "Wir sind glücklich, dass Mesale heute zumindest frei gelassen wird, und wir werden weiterhin juristisch dafür kämpfen, dass auch ein Freispruch folgt."

Tolus Vater Ali Riza Tolu bezeichnete sie als politisches Faustpfand. Sie sei Journalistin mit einer kritischen Meinung gegenüber der türkischen Regierung. Das und ihr deutscher Pass seien ihr quasi zum Verhängnis geworden. 

Ausreiseverbot für Tolus Ehemann

Tolu wuchs in Ulm auf und besitzt allein die deutsche Staatsbürgerschaft. Ihre und weitere Festnahmen sorgten dafür, dass die ohnehin bereits strapazierten deutsch-türkischen Beziehungen an einen weiteren Tiefpunkt gelangten.

Der Berliner Peter Steudtner war Ende Oktober aus türkischer U-Haft entlassen worden und durfte nach Deutschland reisen.

Tolus Ehemann Suat Corlu saß ebenfalls mehr als ein halbes Jahr in U-Haft, auch ihm wird die Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation vorgeworfen. Er darf bislang die Türkei nicht verlassen und muss sich regelmäßig bei der Polizei melden. Unklar ist noch, ob Tolu in der Türkei bleiben muss oder abgeschoben wird.

Mit Informationen von Katharina Willinger, ARD-Studio Istanbul

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 18. Dezember 2017 um 20:20 Uhr.

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