Saudische Frauen in einem Fußballstadon | Bildquelle: REUTERS

Reformen in Saudi-Arabien Wo Fußballschauen eine Befreiung ist

Stand: 13.01.2018 10:30 Uhr

Frauen und Fußball - im ultrakonservativen Saudi-Arabien eine Sensation. Die Öffnung der Stadien gehört zu einer Reihe von gesellschaftlichen Reformen in dem Land. Die Stadion-Betreiber stellt dies aber auch vor ganz praktische Herausforderungen.

Von Anna Osius, ARD-Studio Kairo

Schon Stunden vor dem Anpfiff strömten weibliche Fußballfans ins Stadion der saudischen Küstenstadt Dschidda - zum ersten Mal. Bilder in sozialen Netzwerken zeigen, wie Frauen in langen schwarzen Abajas die Finger zum Siegeszeichen heben und mit lockerem Kopftuch und Sonnenbrille die Partie zweier Vereine der Profiliga verfolgen.

Dies sei ein wichtiger Schritt für mehr Frauenrechte am Golf, sagt Salwa Nugali, Professorin an der King Saudi Universität einem Fernsehsender. Frauen bekämen nun die Chance, am normalen Leben teilzunehmen. "Wir haben mehr als 35 Jahre darauf gewartet. Jetzt können wir endlich in unserem Heimatland zu Sportereignissen gehen. Und wir erwarten noch mehr."

Ein weiblicher Fußballfan vor dem Stadion in Dschidda. | Bildquelle: REUTERS
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Aufgeregt und glücklich: Ein weiblicher Fußballfan vor dem Stadion in Dschidda.

Das Stadion wurde umgebaut

Denn immer noch braucht eine Frau in Saudi-Arabien einen männlichen Vormund, wenn sie beispielsweise reisen oder heiraten will. Von einer Gleichstellung sind die Frauen in Saudi-Arabien noch weit entfernt.

Und auch wenn das Match bei weitem nicht ausverkauft war, bereiteten die Saudis den Einlass der Frauen dennoch akribisch vor: Das Stadion wurde erst einmal umgebaut. Es gibt nun - wie auch in saudischen Cafés üblich - zwei von einander abgetrennte Sektionen. Eine für Männer und eine für Familien. Dort dürfen Frauen, Kinder und Ehemänner Platz nehmen.

Einige Vereine bieten bereits Fankleidung für Damen an: Bodenlange Gewänder in den Farben der Lieblingsmannschaft und dazu passende Schals. Nach dem Auftakt in Dschidda sind Frauen in der Hauptstadt Riad und in Dammann noch zu zwei weiteren Fußballspielen zugelassen.

Eine Autoschau nur für Frauen

Es ist eine von vielen Veränderungen, die Saudi-Arabien derzeit erlebt. Ab Juni dürfen Frauen Autofahren - ein Meilenstein. Saudi-Arabien war das einzige Land der Welt, in dem es Frauen bislang verboten war, hinter dem Steuer zu sitzen.

Saudische Frauen auf einer Autoschau speziell für Frauen | Bildquelle: REUTERS
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Saudische Frauen besuchen die Autoschau in Dschidda. Ab Juni ist ihnen das Autofahren offiziell erlaubt.

Damit sich die künftigen Verkehrsteilnehmerinnen schon mal ein passendes Gefährt aussuchen können, eröffnete in Dschidda jetzt erstmals eine Autoschau nur für Frauen. "Ich interessiere mich schon lange für Autos, habe einen Fahrer und weiß viel über Autos", so eine Besucherin. "Und jetzt will ich alles lernen, über die Marken und das Fahren. Ich dann hoffe ich, dass ich mir bald ein Auto kaufen kann. So Gott will."

Fahren und shoppen ist das Motto der weiblichen Autoausstellung mit pinken und orangenen Luftballons an den Seitenspiegeln der Ausstellungsstücke und vollverschleierten jungen Frauen, die mit Niqab und pinken Fingernägeln spielerisch am Steuer sitzen.

Die junge Bevölkerung hofft auf Erneuerungen

Die zunehmenden Frauenrechte sind Teil einer politischen Agenda. Der erst 32 Jahre alte Kronprinz Mohammed bin Salman will das konservative Land grundlegend verändern. Mehr als die Hälfte der saudischen Bevölkerung ist unter 25 und hofft auf Erneuerung.

Ab März dürfen in Saudi-Arabien erstmals seit Jahrzehnten wieder Kinos eröffnen. Mädchen haben Sportunterricht, Frauen dürfen ohne Einwilligung ihres Vormunds studieren und arbeiten. Und eben Fußball gucken.

Wobei: Manchmal bringt der vorsichtige Reformeifer auch ganz praktische Herausforderungen mit sich: in den Fußballstadien musste vor allem eines gebaut werden, bevor die weiblichen Fans kommen konnten: Damentoiletten.

Frauen in Saudi-Arabien besuchen erstmals ein Fußballspiel
A. Osius, ARD Kairo
13.01.2018 09:38 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. Januar 2018 um 08:43 Uhr.

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