Die iranische Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi auf einer Pressekonferenz (Archivbild vom Oktober 2017) | Bildquelle: AFP

Friedensnobelpreisträgerin Ebadi ruft Iraner zu mehr Protest auf

Stand: 04.01.2018 17:42 Uhr

Sie sollten weiter protestieren, Steuern nicht mehr bezahlen, aber friedlich bleiben: Die iranische Friedensnobelpreisträgerin Ebadi hat ihre Landsleute zu zivilem Ungehorsam aufgerufen. Die Regierung mobilisiert weiter landesweit Anhänger.

Die iranische Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi hat ihre Landsleute zu zivilem Ungehorsam und weiteren Protesten aufgerufen. Während die Demonstrationen gegen Führung und Klerus im Iran nachzulassen schienen, forderte sie "auf der Straße zu bleiben", wie die in London erscheinende arabische Tageszeitung "Al-Sharq al-Awsat" die im Exil lebende Menschenrechtlerin und frühere Richterin zitiert.

"Steuern nicht mehr bezahlen"

Irans Verfassung gebe ihnen dieses Recht. Um Druck auf die Regierung auszuüben, sollten die Iraner auch Strom- und Wasserrechnungen und Steuern nicht bezahlen sowie ihre Gelder von den Konten der regierungseigenen Banken abziehen. Gewalt müsse aber vermieden werden.

Auch UN-Generalsekretär António Guterres mahnte das Recht auf Versammlungsfreiheit und freie Meinungsäußerung im Iran an. Er folge den jüngsten Entwicklungen mit Sorge und verurteile den Verlust von Menschenleben, sagte Guterres in einer in New York verbreiteten Erklärung. Zugleich rief er die iranischen Demonstranten auf, friedlich zu bleiben.

Ein Sprecher der EU-Kommission in Brüssel sagte, friedliches Demonstrieren und freie Meinungsäußerung seien Grundrechte, die in jedem Land gälten, "natürlich einschließlich des Iran".

Protestausmaß unklar

Eine Woche nach Beginn der Proteste hatte es in der vergangenen Nacht weitere Demonstrationen gegeben. In sozialen Medien zeigten Aktivisten, Blogger und Journalisten Videos von einigen Kundgebungen, die unter anderem in den Städten Noschar im Norden, Sarrin Schar im Osten, Kermanschah im Nordwesten, Bandar Abbas im Süden oder Ahwas und Desful im Südwesten gefilmt worden sein sollen. Die Berichte ließen sich unabhängig zunächst nicht bestätigen. Das Ausmaß der Proteste blieb unklar.

Das iranische Innenministerium lieferte erste Zahlen zu Demonstranten in den vergangenen Tagen. Höchstens rund 42.000 Menschen hätten an den Protesten in der Islamischen Republik teilgenommen. Beobachter halten diese Zahl für untertrieben.

Regierung ruft Anhänger auf Straßen

Den zweiten Tag in Folge gingen wieder Anhänger der Führung des Landes zu einer "Demonstration der Stärke" auf die Straßen. "Wir stehen geeint hinter dem Führer, Ayatollah Ali Khamenei," rief die Menge laut Bildern des Staatsfernsehens. Es zeigte große Menschenmengen in Isfahan, Ardebil und Maschhad, wo die regierungskritischen Proteste vor einer Woche begonnen hatten.

Bereits gestern waren Zehntausende Regierungsanhänger in rund 20 Städten des Landes zur Unterstützung der Führung auf die Straße gegangen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 04. Januar 2018 um 12:15 Uhr.

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